BibSonomy usability disaster

8. März 2012 um 12:01 1 Kommentar

In addition to other citation management systems, I use BibSonomy. It’s one of the less known social cataloging tools. Not as commercial and shiny as Mendeley, but useful, especially if you happen to collect many papers in computer sciences. The BibSonomy team is open and friendly and the project is connected to the local University in Kassel (by the way, they are hiring students!). I still like BibSonomy – that’s why I wrote this rant.

Since last week BibSonomy has a new layout. Sure people always complain when you change their used interface, but this change is a usability desaster – at least if you work on a netbook with small screen, like me. To illustrate the problems here is a screenshot with my quick notes in red:

The screen is crowded with irritating and ugly user interface elements. The actual usage area is put into a little frame. Yes, a frame, in 2012! You cannot just scroll down to get rid of the header, because the frame is fixed. There are more flaws, for instance the duplication of account elements, scattered at not less than four places (logged in as…, logout, user:…, myBibsobomy) and the ugly custom icons (there are several great icon sets that could be used instead, for instance Silk, GCons, Glyphicons, Picol…). It does not get better of you try to edit content. I am sorry, but this is a usability disaster.

P.S: The BibSonomy team has responded and they fixed part of the problem with a nasty hack, based on actual screen size.

BibSonomy mit neuer Oberfläche

16. Dezember 2008 um 03:19 4 Kommentare

Seit einigen Tagen (im Blog steht noch nichts?) zeigt sich die Social-Cataloging Plattform BibSonomy mit einer neuen Benutzeroberfläche. Die Schriftgröße ist leider noch immer Augenkrebs und ich kann mich plötzlich nicht mehr per OpenID Delegation anmelden, aber das wird sicherlich auch noch (vielleicht finde ich dann auch heraus, warum mein PhD-Literatur-Account nicht öffentlich einsehbar ist). Social Cataloging kam in der gestrigen Vorlesung zu Social Tagging und (gemeinschaftlicher) Erschließung etwas zu kurz, deshalb sei nochmal darauf hingewiesen, dass die derzeit innovativ aktivsten Dienste zur Verwaltung von bibliographischen Daten keine Bibliotheken sondern LibraryThing und BibSonomy sind. Bibliotheken können dagegen lediglich in Sachen Autorität und Dauerhaftigkeit punkten und werden sich hoffentlich einige Scheiben abschneiden. Ãœbrigens suchen sowohl die Verbundzentrale des GBV als auch das BibSonomy-Team studentische Mitarbeiter. Wer als Student im Raum Göttingen/Kassel wohnt und Webanwendungen o.Ä. programmieren kann, sollte sich mal überlegen, ob er/sie nur langweilige Ãœbungsaufgaben und Firmenanwendungen schreiben oder an der Zukunft der webbasierten Literaturverwaltung mitarbeiten möchte! 🙂

Kombination von Weblog, Kalender und Literaturverzeichnis?

6. August 2008 um 20:20 4 Kommentare

WordPress eignet sich gut als einfaches Content Management System (CMS), da neue Beiträge einfach erstellt und kommentiert werden können. Mit zahlreichen Plugins und Anknüpfungspunkten lässt es sich zu Webanwendungen „aufbohren“, die über einfache Weblogs hinausgehen.

Momentan überlege ich für die Webseite einer Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, wie man am besten Weblog, Kalender und Literaturverzeichnis kombinieren könnte. Bislang gibt es für jede Veranstaltung einen eigenen Beitrag. Das Datum des Beitrags ist aber nicht das Datum der Veranstaltung, sondern das Veröffentlichungsdatum des Beitrags. Irgendwie müssten die einzelnen Beiträge aber auch noch in einem Veranstaltungskalender auftauchen; man könnte sie zum Beispiel zusätzlich bei Venteria oder bei LibraryThing local eintragen und die Daten von dort wiederum im Blog einbinden – was zumindest etwas umständlich klingt.

Zu jeder Veranstaltung gibt es passende Literatur, die natürlich auch irgendwie erschlossen sein sollte. Eine Möglichkeit wäre, für jedes Werk einen eigenen Blogeintrag zu erstellen, so wie es in Scriblio der Fall ist (übrigens auch mit Verfügbarkeitsstatus). Ein Vorteil dabei ist, dass zur Verschlagwortung von Veranstaltungen wie für Literatur die gleichen Tags für verwendet werden können. Die andere Möglichkeit wäre, eine Social Cataloging-Anwendung wie BibSonomy oder LibraryThing zu nutzen. Die Literatur wird also in einer eigenen Webanwendung verwaltet und muss irgendwie per Plugin in WordPress eingebunden werden. Für BibSonomy gibt es dieses WordPress-Plugin (sowie die Möglichkeit eines HTML-Export, der per JabRef-Filter angepasst werden kann) und für LibraryThing einen Widget-Generator. Leider lassen sich bei dieser Lösung Veranstaltungen und Literatur nicht gemeinsam erschließen und recherchieren. Bei der Vergabe von und dem Browsing über Tags ist jede Anwendung (Blog, Kalender, Literaturverwaltung) noch eine Insel. Wünschenswert wäre ein gemeinsames Tagging-Vokabular über mehrere Anwendungen – das wäre dann ein einfacher Fall von Semantischem Tagging … und wahrscheinlich erst etwas für 2009 😉

User generated Metadata: Connecting the Communities

15. Juli 2008 um 10:00 Keine Kommentare

At the eighth International Conference on Dublin Core and Metadata Applications (DC-2008) Wikimedia Germany organizes a workshop on user generated metadata. The seminar will take place at Friday, the 26th of September 2008 afternoon.

During the recent years several projects like Wikipedia, LibraryThing, and OpenStreetmap have emerged on the Web. This projects enable volunteers to collect and create structured data such as bibliographies, encyclopaedic factsheets, geodata etc. However connections and exchange between different projects is still limited to seperated initiatives. Therefore Wikimedia Germany wants to bring together projects and communities on a workshop on user generated metadata. To enhance collaboration, we want to share experiences in the creation and management of communities and metadata. Standards and tools to simplify the exchange and connection with other institutions will be discussed as well as aspects of quality, rights, and privacy.

The workshop consists of one session where several projects (Wikipedia, OpenStreetMap, BibSonomy, The Open Library…) are shortly presented in 10-15 minutes each, and another session in form of a moderated podium of all projects to deeper discuss common general issues: How can we best connect and reuse user generated metadata among communities? Which data silos must be opened? What are the limits of cooperation? How can sustainability be established in dynamic communites? etc.

We invite you to visit the Dublin Core conference in general and the seminar on user generated metadata in particular. Registration fee will be reduced until end of July, so better hurry up!

related events include the Wikimedia and libraries panel at Wikimania 2008 and the Linked data initiative

BibSonomy und Kataloge verknüpfen mit dem Bibkey

25. April 2008 um 15:46 2 Kommentare

Anknüpfend an einen Workshop zum Thema „Social Tagging in Bibliotheken“ und an Gespräche auf der INETBIB 2008 gab es Ãœberlegungen, Bibliothekskataloge mit der webbasierten Literaturverwaltung BibSonomy zu verknüpfen (siehe auch die Diplomarbeit von Annett Kerschis auf die Patrick hingewiesen hat).

Zum einen sollen Nutzer Einträge aus dem Katalog direkt in BibSonomy abspeichern können (wie bereits der KUG und HEIDI anbieten) – der einfachste Weg dazu ist ein BibTeX-Export. Zum anderen soll per Webservice BibSonomy abgefragt werden, ob und mit welchen Tags dort bereits ein Titel von Nutzern gespeichert wurde. Ein grundsätzliches Problem dabei ist jedoch, erst einmal den Titel zu identifizieren, nach dem gesucht werden soll. Die dahinter liegende Aufgabenstellung ist ein klassisches (nicht nur) Bibliothekswissenschaftliches Forschungsfeld: Duplikaterkennung in bibliographischen Datenbanken. BibSonomy ist dabei auf eine ähnliche Lösung gekommen, wie sie teilweise in Katalogen angewandt wird: Aus verschiedenen Feldern (Titel, Autor, Jahr…) wird durch Normalisierung und mittels einer Hashfunktion eine Zeichenkette als Identifikator („Hashkey“) gebildet. Dubletten sollen dabei möglichst auf den gleiche Hashkey abgebildet werden. Der übergreifende Hashkey von BibSonomy heisst dort „Interhash“.

Ich bin momentan dabei, diesen Hashkey zu spezifizieren (Unter dem Namen „Bibkey Level 1“) und zu implementieren – der Bibkey kann hier ausprobiert werden. In diesem Beispiel wird der Titel über die ISBN aus den GBV-Verbundkatalog geholt und aus den Daten der Bibkey gebildet (serverseitig, Link „Go to record in GSO“). Mit dem Bibkey wird dann über eine weitere API von BibSonomy (die ich als „SeeAlso“-verpackt habe) abgefragt ob den Titel schon jemand in seiner Sammlung hat (clientseitig, Link „Available in BibSonomy“).

Wie alle Heuristiken funktionier der Bibkey in seiner jetzigen Form nicht in jedem Fall. In diesem Beispiel wird bei BibSonomy nichts gefunden, weil die meisten Nutzer „Albert-László Barabási“ Nicht richtig buchstabieren können. Auch verschiedene Auflagen kommen aufgrund unterschiedlicher Jahreszahl nicht zusammen. Es ist also noch genügend Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Auch für den Einsatz von FRBR wird über Hashkeys nachgedacht, wie dieser Vortrag von Rosemie Callewaert auf der ELAG2008 zeigt.

Weitere Literatur zum Thema „Hashkeyverfahren zur Duplikaterkennung in bibliographischen Daten“ sammle ich dank hilfreicher Hinweise mit dem Tag „bibkey“ – falls jemand seine Bachelor/Master-Arbeit dazu machen möchte, helfe ich gerne! 🙂

Ãœbersicht webbasierter Literaturverwaltung

9. April 2008 um 15:28 8 Kommentare

P.S.: Unter http://literaturverwaltung.wordpress.com gibt es inzwischen ein von Bibliothekaren betriebenes Portal zum Theme Literaturverwaltungsprogramme.

Einen Ãœberblick über „Webbasierte Literaturverwaltung“ gab Thomas Stöber von der UB Augsburg in seinem Vortrag zusammen mit Astrid Teichert auf der INETBIB 2008. Das Thema ist eigentlich nicht neu, aber nicht jeder hat die Zeit und Muße, sich selber mit RefWorks, citeulike, Connotea und BibSonomy im Vergleich zu EndNote und Citavi zu beschäftigen – außerdem sollte man das Firefox-Plugin Zotero kennen.

Auf der einen Seite stehen die traditionellen, „geschlossenen“ Systemen (EndNote, Citavi), bei denen ein Nutzer für sich alleine bibliographische Daten sammelt und verwaltet. „Halboffene“ Systeme (EndNote Web, RefWorks) bieten als Webanwendungen zusätzlich die Möglichkeit, Daten für andere Nutzer freizugeben. Bei „Offenen“ Systeme ist der Nutzerkreis prinzipiell offen und alle bibliographischen Daten werden miteinander geteilt.

Die offenen Literaturverwaltungs-Systeme bieten neue Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Forschung und Lehre, Stöber zitierte Lambert Hellers Hinweis auf die Möglichkeit „Informeller Gemeinschaftsbibliographien„. Dabei lassen sich aus seiner Sicht drei wesentliche Anwendungszenarien unterscheiden:

(1) Freigabe des eigenen Datenpools mit Lesezugriff, z.B. Literaturlisten für Lehrveranstaltungen, Bibliographien, eigene Schriftenverzeichnisse etc. (RefWorks…)

(2) Geschlossene Arbeitsgruppen arbeiten gemeinsam an Bibliographien (EndNote Web, BibSonomy…)

(3) Gemeinsamer, offener Datenpool (BibSonomy…)

Für die weitere Entwicklung stellen sich angesichts der rasanten Entwicklungen im Bereich webbasierter Literaturverwaltung folgende Fragen:

(1) Ist die offene, gemeinschaftliche Arbeiten an Bibliographien ein realistisches Modell für eine offene Wissenschaft? Laura Cohen spricht schon begeistert von „Social Scholarship (wobei meiner Meinung nach dabei eher Blogs von Bedeutung sind, siehe blogs as scholarship von Georgia Harper und als Beispiel Research Blogging). Viele Wissenschaftler möchten jedoch vermutlich nur ungern ihre Literaturlisten offenlegen (was meiner Meinung nach nicht unbedingt für die Qualität ihrer Forschung spricht).

(2) Sind OpenSource-Anwendung aktuell und zukünftig eine echte Alternative zu kommerziellen Systemen? Thomas Stöber konnte diese Frage nicht bejahen – ich denke vor allem bei der Usability hat OpenSource regelmäßig Probleme.

(3) Wie entwickeln sich Bibliographie-Verwaltungssysteme weiter? Zur Zeit ist eine Konvergenz der Funktionen zu beobachten, so dass sich die verschiedenen Systeme im Kern immer weniger unterscheiden.

In der anschließenden Fragerunde meldeten sich vor Allem die „üblichen Verdächtigen“ (Till Kinstler, Lambert Heller, Patrick Danowski) zu Wort – ich war zu sehr mit der Formulierung dieses Beitrags beschäftigt und kann der Einführung nichts wesentliches hinzufügen. Mir fehlte nur etwas Zotero. Herr Stöber wies darauf hin, dass sich das Programm in erstaunlich kurzer Zeit zu einer vollwertigen Literaturverwaltung entwickelt hat. Dem in der Diskussion gebrachten Hinweis auf die Notwendigkeit von Werbung und Benutzerschulungen kann ich mich nur anschließen.

P.S.: Eine tabellarische Übersicht von Programmen zur Literaturverwaltung gibt beim Max Planck Institut für Biochemie.

UB Mannheim führt Social Tagging ein

21. Februar 2008 um 14:59 2 Kommentare

Das zweite Panel der Workshops Social Tagging in der Wissensorganisation am Institut für Wissensmendien am 21./22. Februar 2008 fasste vier Kurzvorträge unter dem Thema „Bibliotheken und Hochschulen“ zusammen.

Im ersten Vortrag führte Christian Hänger von der Universitätsbibliothek Mannheim mit „Tagging im Kontext Bibliothekarischer Sacherschließung“ an, welche Mehrwerte Social Tagging in Bibliotheken bringen kann, obwohl Bibliotheken Tagging in Form der kontrollierten Erschließung doch schon seit jeher betreiben. Durch Social Tagging können zum einen größere Mengen von Titeln zusätzlich erschlossen werden (zum Beispiel Artikel der Nationallizenzen). Zum anderen können neue Begrifflichkeiten schneller für das Retrieval verfügbar gemacht werden, während die Aufnahme neuer Begriffe in ein kontrolliertes Vokabular relativ lange dauert. Die Nachteile und Grenzens des Tagging bestehen jedoch nach Hänger in der höheren Unschärfe durch Homonyme und Synonyme und in schlechteren Ergebnissen als die Sacherschließung durch Experten.

An der UB Mannheim soll Social Tagging in einem kommenden DFG-Projekt in den OPAC eingebunden werden. Dabei soll unter Anderem untersucht werden, ob sich durch manuelles Tagging bessere Ergebnisse als durch automatische Erschließung erzielen lassen. Auch Misch- und Übergangsformen, wie zum Beispiel das Taggen mit Normdateien sollen ausprobiert werden. Als Tagging-Systeme werden sowohl BibSonomy als auch die Tagging-Funktion von ExLibris Primo eingesetzt.

Im Fazit brachte Christian Hänger seine Einschätzung bemerkenswert auf den Punkt: Tagging wird in Zukunft ein unverzichtbarer Bestandteil der bibliothekarischen Sacherschließung. Es ist jedoch kein Ersatz für bibliothekarische Sacherschließung, sondern eine Ergänzung.

Sicherlich lassen sich beide Aussagen bezweifeln: Möglicherweise ist Tagging für Bibliotheken irrelevant oder aber es wird die bibliothekarischen Sacherschließung überflüssig machen. Die Wahrheit lieht aber eher wie so oft in der Mitte – deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass die UB Mannheim (Blog) das Thema Tagging in Bibliotheken einfach mal in die Hand nimmt und ausprobiert anstatt es tot zu diskutieren, um am Ende den Entwicklungen hinterherlaufen zu müssen!

Bibsonomy bietet API an

7. Oktober 2007 um 19:51 1 Kommentar

Der aus Kassel stammende Social Bookmarking und Catalouging-Dienst Bibsonomy bietet seit letzter Woche eine ziemlich umfangreiche, REST-basierte API an. Ein Client für JabRef ist auch schon erhältlich, allerdings anscheinend nur als Jar-File. Außerdem ist eine Java-API in Arbeit – auf der Projektseite zum Java-CLient ist übrigens schön das interne Datenmodell von Bibsonomy dargestellt.

Eine weitere Neuerung in Bibsonomy ist die Volltextsuche über alle (oder zumindest einige?) Metadatenfelder in einem gemeinsamen Index – dadurch ist beispielsweise Ego-Suche und die Suche nach konkreten Publikationen möglich – dabei fällt mir wieder die Menge an Duplikaten auf – also nicht immer nur auf den GBV schimpfen, Duplikate haben auch andere 😉

Ich habe die API bisher noch nicht ausprobiert, dafür ist (leider nicht unüblich) ein eigener Zugriffsschlüssel zu beantragen. Wenn ich mir so die API-Dokumentation anschaue, fehlt anscheinend bisher die Metadaten-Volltextsuche – ich hoffe, das kommt noch, denn auf diese Weise könnte automatisch nach einer gegebenen DOI, ISBN etc. gesucht und in Katalogen dynamisch eingeblendet werden, ob eine bestimmte Publikation schon in BibSonomy verzeichnet ist. Das Eintragen neuer Bookmarks und Referenzen aus Bibliothekskatalogen funktioniert ja schon – Voraussetzung dafür ist, dass der OPAC BibTeX exportieren kann.

Und der Fairness halber auch die Hinweise auf APIs einiger anderer Social Bookmarking und Cataloging-Dienste:Connotea API, CiteULike hat noch keine API, LibraryThing in Ansätzen (und es gibt Datenbankauszüge zum Download!), Del.icio.us API, Mister Wong hat keine API, Digg hat eine

Und dann bin ich bei der Recherche noch auf den tollen Backlink-Service Xinureturns.com gestoßen, die Nutzen wahrscheinlich statt APIs eher eigene Scraper, die Informationen aus HTML-Seiten extrahieren – das geht natürlich auch immer, ist aber meist aufwändiger und fehleranfälliger.

Bibliotheks-Mashups mit Hürden auf dem Vormarsch

13. Juli 2007 um 18:06 8 Kommentare

Wie von Patrick und im BibSonomy Blog berichtet wurde, bietet der Kölner UniversitätsGesamtkatalog (KUG) seit kurzem den Export von Datensätzen in das Kasseler Social-Cataloging-System Bibsonomy an. Als gemeinsames Datenformat fungiert BibTeX, das neben Dublin Core trotz einiger Probleme im Gegensatz zu Spezialformaten wie MARC und MAB De-facto-Standard für solche Anwendungen ist.

Prinzipiell kann jede Bibliothek, die BibTeX exportieren kann, den gleichen Service anbieten. Die Übergabe an BibSonomy funktioniert über eine einfache REST-API, die anscheinend in Kürze veröffentlicht werden soll. Die URL-Syntax is

http://www.bibsonomy.org/BibtexHandler?requTask=upload&encoding=ISO-8859-1&selection=…BibTeX-Datensatz…

Welche Zeichenkodierungen neben ISO-8859-1 noch möglich sind, weiß ich nicht; bislang werden auch sinnlose Werte anstandslos akzeptiert. Problematisch könnte es auch bei umfangreichen Datensätzen werden. Prinzipiell legt der HTTP-Standard zwar keine Längenbegrenzung für URLs fest, aber verlassen würde ich mich darauf nicht. Natürlich gibt es auch bei der Konvertierung noch einige Bugs, siehe zum Beispiel dieser Datensatz, bei dem die Keywords ziemlich durcheinander geworfen werden.

Dazu muss gesagt werden dass ein fehlerfreier BibTeX-Export komplizierter ist als angenommen. Der KUG wird mit der Software OpenBib betrieben, die – so sollte es sein – Open Source ist. Nach kurzer Recherche im Quelltext zeigt sich die Funktion normset2bibtex als Kernbestandteil der Konvertierung nach BibTeX. Mir ist neulich auch schon ein PICA+ nach BibTeX-Script über den Weg gelaufen, aber wenn jede Bibliothek und jeder Hersteller ihr eigenes kleines Skript schreiben, können bei der Konvertierung qualitativ keine großen Sprünge gemacht werden. Ein guter Kandidat für eine dauerhafte Lösung sind vielleicht die Bibutils bibliography conversion utilities, die als Intermediate-Format das Metadata Object Description Schema (MODS) verwenden und ebenso wie OpenBib unter der GPL zur Verfügung stehen. By the way: Warum werden von DFG & Co eigentlich laufend Anträge ohne technischen Sachverstand gefördert, bei denen am Ende nur unfreies Gewurstel rauskommt, anstatt konsequent auf Open Source zu setzen, damit am Ende alle etwas davon haben?

Und noch eine positive Überraschung brachte das Stöbern im Quellcode und der Dokumentation: Der OpenBib-Entwickler Oliver Flimm hat bereits 2005 mit den Open Library WebServices eine SOAP-Schnittstelle für Sisis-Systeme implementiert (siehe Dokumentation und Quellcode), die anscheinend direkt auf die SQL-Datenbank zugreift. Bisher hatte ich von Sisis-Systemen eher den Eindruck, dass sie mit Schnittstellen nicht so freizügig sind. Zwar gibt es beispielsweise schon seit längerer Zeit das Simple Library Network Protocol (SLNP), aber eine offene API-Dokumentation und freie Implementierungen von auf diese API zugreifenden Clients habe ich bisher nicht finden können.

Mit den Open Library WebServices können Benutzerdaten (Ausleihen, Vorbestellungen etc.) und über die interne Datenbank-ID eines Katalogdatensatzes der Medienstatus (Signatur, Exemplar, Standort, Status, Rueckgabe) sowie die vollständigen Titeldaten abgerufen werden. Um welches „nativen Kategorienschema“ es sich bei den Titeldaten handelt, kann ich leider aus Unkenntnis von Sisis-LBS-Systemen nicht sagen, vielleicht MAB2, aber dann sollte besser MABXML geliefert werden und die Konvertierungsroutine nach BibTeX wie oben angedeutet als eigenständiges MAB2-nach-BibTeX-Modul.

Jedenfalls ein großes Lob an Oliver Flimm für die Entwicklung von OpenBib. Ich hoffe, dass die Weiterentwicklung mehr in Richtung einer Serviceorientierten Architektur geht, indem einzelne Funktionen sauber getrennt und als Webservice gekapselt werden. So können Funktionen wie der BibTeX-Export und die Weiterreichung nach BibSonomy als Bausteine auch in anderen Katalogprojekten zum Einsatz kommen können, beispielsweise bei X-OPAC und E-LIB Bremen. Auch dort steckt eine Menge intelligenter Eigenentwicklung, aber noch werkelt jeder vor sich hin. Bei den Schnittstellen sollte deshalb, wie ich vor kurzem in INETBIB betonte, streng auf offene Standards gesetzt werden anstatt eigene Bastellösungen zu verwenden, dann klappt’s auch mit den Mashups.