Tagging, Umfrage, Buch, Vortrag

12. Juli 2007 um 00:22 4 Kommentare

Drei kleine Hinweise zum Thema Tagging:

1. Tobias Kowatsch führt für seine Abschlussarbeit eine Web-Experiment-Umfrage zum Thema Tagging durch. Die Auswahl fand ich teilweise etwas komisch aber ich bin ja nur Versuchsperson, also nehmt euch die 13 Minuten und probiert es selber aus!

2. Sascha Carlin hat ein Buch über Social Tagging geschrieben, das vermutlich auf seiner Diplomarbeit basiert. Ich bin gespannt und werde es nach Erscheinen mal genauer unter die Lupe nehmen.

3. Auf der GBV Verbundkonferenz im September werde ich unter anderem über Social Tagging und Bibliotheken und die konkreten Planungen zur Tagging-Unterstützung im GBV referieren.

Justizministerium verkauft Urheberrechtsnovelle dummdreist als Erfolg

6. Juli 2007 um 14:35 3 Kommentare

Bei Lektüre der Pressemitteilung des Bundesjustizministeriums zur (inzwischen wievielten?) Novelle des Urheberrechts vom 5. Juli 2007 kann es einem angesichts der Dreistigkeit der PR-Abteilung schon den Atem verschlagen. Unter „Schranken für Wissenschaft und Forschung“ steht dort:

Die Novelle erlaubt es öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven erstmalig, ihre Bestände an elektronischen Leseplätzen zu zeigen. Damit behalten diese Einrichtungen Anschluss an die neuen Medien. Die Medienkompetenz der Bevölkerung wird gestärkt. Neu ist auch, dass Bibliotheken auf gesetzlicher Basis Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken auf Bestellung anfertigen und versenden dürfen, z.B. per E-Mail. Das dient dem Wissenschaftsstandort Deutschland.

Fakt ist, dass öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven schon seit Jahren ihre Bestände sowohl an elektronischen Leseplätzen als auch über das Web zeigen und über Subito per E-Mail verschicken. Bei Werken, die nicht Open Access sind, ist dazu in der Regel ein Benutzeraccount und eine Gebühr erforderlich und die Verlage werden dafür durch Lizenzgebühren und Pauschalabgaben bezahlt. Dies wird durch die Urheberrechtsnovelle nun verhindert.

Der Versand per E-Mail ist nur erlaubt, wenn „der Verlag nicht ein offensichtliches eigenes Online-Angebot zu angemessenen Bedingungen bereithält“, also statt einem einfachen, einheitlichen Zugang versucht jeder Verlag in einem eigenen Angebot, einzelne Kopien von digitalen Objekten zu verkaufen. Darüber Hinaus ist „die Anzahl der Vervielfältigungen eines bestimmten Werkes, die an Leseplätzen gleichzeitig gezeigt werden dürfen, grundsätzlich an die Anzahl der Exemplare im Bestand der Einrichtung geknüpft“, also muss der Leser in die Bibliothek laufen, und dort warten, das eine einzelne Kopie eines digitalen Objektes „frei“ wird.

Offensichtlich ist das Justizministerium noch immer nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Nochmal für die die ewig Gestrigen in Ministerien, Presse und Verlagen:

Es ist eine inhärente Eigenschaft digitaler Objekte, dass sie sich verlustfrei in beliebiger Anzahl kopieren lassen!

Wenn ihr euch darauf nicht einstellt, sondern versucht, veraltete Geschäftsmodelle aus dem letzten Jahrtausend auf juristischem Wege aufrecht zu erhalten, ergeht es euch ebenso wie den Dinosauriern. [Hinweis via Till]

Bibliotheken: Ist das noch Punk?

24. Juni 2007 um 21:05 2 Kommentare

Ausgehend von der Frage, welche Bibliothek in der aktuellen T-Home-Werbung als Kulisse dient (Antwort: das Real Gabinete Português de Leitura in Rio de Janeiro der salle ovale der Bibliotèque nationale de France) hat sich in der deutschsprachigen Bibliotheks-Mailingliste Inetbib eine überraschende Diskussion zum Thema Punk(musik) entwickelt. Anstatt als bekennender Pseudo demnächst mit Dosenbier in die Bibliothek zu kommen und heimlich Slime-CDs in die OPACs von GBV-Bibliotheken einzuspielen, gehe ich aber lieber erstmal zum Konzert von World/Inferno Friendship Society. Als Vorband spielt Kackfeuer. In diesem Sinne: Fuck You! and Do Anything You Wanna Do!

Dänische Nationalbibliothek kooperiert mit LibraryThing

24. Juni 2007 um 13:27 2 Kommentare

Wie Bernd Wunsch in der Mailingliste NGC4LIB mitteilt, will die Dänische Nationalbibliothek in Zukunft mit LibraryThing kooperieren. Die Anzahl der von zahlreichen Buchliebhabern in LibraryThing eingetragen Titel hat inzwischen die 15 Million überschritten (zum Vergleich: im GBV-Verbundkatalog sind momentan über 27 Millionen Titel, die Library of Congress hat etwa 30 Millionen Titel).

Vorraussichtlich nach der Sommerpause sollen in Dänischen Verbundkatalog unter http://bibliotek.dk/ Funktionen von LibraryThing verfügbar sein. Im DNLA newsletter, der sich allgemein dem Thema Web 2.0 widmet, wird die Motivation für diese Entscheidung erklärt: Anstatt einen erfolgreichen Dienst mit großem Aufwand zu kopieren, ist es viel sinnvoller, mit LibraryThing zu kooperieren. So können den Benutzern direkt

  • Bücher bewerten, kommentieren und diskutieren und die Bewertungen, Kommentare und Diskussionen anderer Nutzer einsehen
  • Bücher mit eigenen Tags versehen, die Tags anderer Nutzer einsehen per Tags Suchen
  • Eigene Büchersammlungen anlegen

Zur Umsetzung wird der Dänische Verbundkatalog als Datenquelle in LibraryThing eingebunden (der GBV ist dort übrigens bereits vorhanden) und wie ich vermute die Benutzeroberfläche des Dänischen Katalogs mit Links auf und Inhalten von LibraryThing angereichert.

Ich hoffe, dass wir vergleichbare Kooperationen auch bald mit deutschen Bibliotheken und Bibliotheksverbünden bekommen. Möglichkeiten zur Diskussion dieser Möglichkeiten und der dazu notwendigen Schritte wird es unter anderem auf dem nächsten Berliner Bibliothek 2.0-Stammtisch, einer angedachten Bibliotheks-Unkonferenz und der GBV-Verbundkonferenz in Bremen geben. Zur nächsten Inetbib-Tagung in Würzburg sollte es dann hoffentlich schon einige Ergebnisse geben.

[Hinweis via IB Weblog, danke an Lene für die Übersetzung aus dem Dänischen]

Gabriele Beger in der Bahn über Papierzerfall

5. Juni 2007 um 20:32 Keine Kommentare

In der Juni-Ausgabe der Bahn-Werbepostille mobil lächelt den Leser auf Seite 14 Gabriele Beger, Vorzeigedame des deutschen Bibliothekswesens (und meine ehemalige Lieblingsdozentin an der HU Berlin) entgegen. Eine zerfallende Zeitung in den Händen, erklärt sie im Kurzinterview das Problem des Säurefraß für (hier speziell Hamburgische) Bibliotheksbestände und wirbt für die Aktion „Hamburg ohne Worte„, in der Bürger Bücher retten können. Zudem gibt sie als Vorteil der Digitalisierung „vollig neue Nutzungsmöglichkeiten […] durch die Verknüpfung von Daten“ an. Angesichts der Reichweite von mobil (nicht nur in Kilometern sondern in Lesern) gelungene Öffentlichkeitsarbeit. Gratulation!

Vorbereitungen zur Archivierung von Netzpublikationen bei der DNB

29. Mai 2007 um 15:25 1 Kommentar

Auf heise ist wieder etwas zur Archivierung von Netzpublikationen durch die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) zu lesen. Die DNB betreibt ein Informationsportal zur Ablieferung von Publikationen, die im Netz erscheinen. Mit dem im Juni 2006 geänderten Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) fallen diese Werke auch unter den Sammelauftrag der DNB. Näheres soll die Pflichtabgabeverordnung klären, die heise im Entwurf vorliegt – allerdings ist der Entwurf anscheinend nicht öffentlich, kann das bitte jemand online stellen? Bis es soweit ist, werde ich mal schauen, wie die Ablieferung von Weblogs am Besten zu bewerkstelligen ist. Dass die DNB selber die Feeds sammeln wird, bezweifle ich (obwohl es die einfachste Variante wäre). Vielleicht hilft das unAPI-Plugin weiter, dass von Mike Giarlo betreut wird, der mit Technosophia mit einen schönen Tech-Librarian-Weblog betreib. Das Zusammenpacken und Bereitstellen der Postings eines ausgewählten Zeitraums dürfte mit einem passenden Plugin kein Problem sein; der Teufel steckt aber wahrscheinlich im Detail.

ISBN in Wikipedia – eine Analyse

19. Mai 2007 um 21:05 1 Kommentar
Wikipedia ISBNs nach Verlagsländern

Mathias beschäftigt sich in letzter Zeit intensiv mit den ISBNs, die den Literaturangaben von Wikipedia-Artikeln vorhanden sind und betreibt mit Weiterführende Literatur einen eigenen Blog über „Bücherreferenzierung in der Wikipedia“. Damit hat er mich so angesteckt, dass ich heute den gesamten Tag damit verbracht habe, mit den verfügbaren Daten herumzuspielen. Zunächst werden mit einem Skript von Lars Aronsson alle ISBN-Nummern aus dem Dump einer Wikipedia extrahiert. Mit dem CPAN-Modul Business::ISBN lassen sich dann die Nummern analysieren und mit weiteren Skripts auswerten. Für die Fehlerkorrektur und Statistiken habe ich in Wikipedia die Seite ISBN-Auswertung mit ersten Ergebnissen angelegt. Dabei ist unter Anderem eine Statistik der Länder, in denen die Verlage mit den meisten ISBNs in Wikipedia sitzen (Visualisierung bei many eyes) – gut 80% kommen aus dem deutschen Sprachraum (kein Wunder, ist ja auch die deutschsprachige Wikipedia). Außerdem habe ich die ISBNs mit thingISBN-Daten von LibraryThing verglichen, wodurch ich nicht nur die Abdeckung von Wikipedia-Referenzen in LibraryThing ermitteln kann (20%) sondern gleichzeitig eine FRBRisierung bekomme. Tim Spalding hatte im Februar bereits ähnliches mit der englischen Wikipedia unternommen und Verweise zu Wikipedia in LibraryThing eingebaut (siehe auch mein letzter Beitrag zu LibraryThing für Bibliotheken). Weitere Ideen für Auswertungen? [danke an Mathias, Lars und Tim]

Update: Ich habe mit R (einem ebenso mächtigen wie fast schon benutzerfeindlichen Werkzeug) ein weiteres Diagram der ISBNs nach Verlagsländern erstellt.

LibraryThing für Bibliotheken

18. Mai 2007 um 00:58 2 Kommentare

Der bereits im April von Tim Spalding angekündigte Dienst LibraryThing for Libraries nimmt erste konkrete Formen an: Der erste OPAC, in den Dienste von LibraryThing darüber eingebunden sind, ist der Danbury Library’s catalog. Es gibt darüber inzwischen eine zunehmende Anzahl von Berichten, aber am Besten beschreibt es Tim selbst.

Ich überlege übrigens seit einiger Zeit, wie sich LibraryThing in deutschen Bibliotheken (speziell PICA-Systemen) einsetzen lassen kann und was dazu konkret zu tun ist. Ich befürchte allerdings, dass die Schnittmenge zwischen wissenschaftlichen Bibliotheken und LibraryThing nicht ganz so groß ist. Sollten Bibliotheken ihre Bestände in LibraryThing einspielen? Was soll im OPAC zusätzlich angezeigt werden? Wer sollte das Umsetzen und wo wird welche Hilfestellung benötigt? Anregungen sind sehr willkommen, je genauer, desto besser!

Ein Anwendungsbeispiel habe ich schon: 1.) In einem OPAC wird ein Titel angezeigt. 2.) Mit thingISBN werden ISBN-Nummern von gleichen Werken ermittelt. 3.) Es wird ermittelt, welche Titel der ISBN-Liste ebenfalls im OPAC vorhanden sind (mit Kurztitel und Link) 4.) Die Titel werden zusätzlich angezeigt. Wenn die dafür notwendigen Daten erstmal einfach verfügbar vorhanden sind (sic!) ist sowas ziemlich schnell implementiert. Weitere Wünsche und Anregungen?

[via Infobib]

Studierende in Konstanz für mehr Gebühren?

10. Mai 2007 um 12:33 9 Kommentare

Wie Eric Steinhauer berichtet, legt die Bibliotheksgebührenordnung der Universität Konstanz (PDF) vom 19. Dezember 2006 in § 2 Abs. 2 Nr. 1 eine Jahresgebühr für externe Benutzung in Höhe von 56 € fest. Eine Ermäßigung aus sozialen Gründen ist nicht vorgesehen. Nach einem Artikel in Heft 85 (16. April 2007) der Mitarbeiterzeitung der UB Konstanz beschreibt Petra Hätscher, wie die Gebühren zustande gekommen sind. Angeblich haben Studierende im Senat dafür gesorgt, dass die Gebühren nicht niedriger ausgefallen sind und dass eine Ermäßigung aus sozialen Gründen abgelehnt wurde. Der Artikel ist leider noch nicht online und das Protokoll der Senatssitzung liegt mir auch nicht vor, deshalb sollten keine voreiligen Urteile abgegeben werden. Am Besten sollte sich erstmal der AStA der Uni Konstanz zum Thema äußern. Da RCDS und die Liberale Hochschulgruppe zusammen nur 4 von 13 Sitzen haben, scheiden die üblichen Verdächtigen ja schon mal aus. Ich kann mir allerdings denken, dass die Studenten in Argumentationsfalle getappt sind, wie sich von Unicheck/INSM zur Erhöhung der Akzeptanz von Studiengebühren verwendet werden: Die UB Konstanz bekommt nämlich von den Studiengebühren 420.000 Euro – davon profitieren natürlich auch externe Benutzer. Anstatt das als einen weiteren Grund zur grundsätzlichen Kritik an Studiengebühren zu nehmen, denkt sich da so mancher Student, dass externe Benutzer eben auch zur Kasse gebeten werden sollten – und schon haben die neoliberalen Befürworter von Studiengebühren mit ihrer Argumentation gewonnen. Alles wird versucht gegeneinander aufzurechnen und die Spriale des Gebühren-Wettrüstens kann losgehen. Das Leistungen wie Bildung und Bibliotheken kostenlos angeboten werden und für eine offene Gesellschaft unabdingbar sind, passt da wohl nicht ins Konzept.

Kontrollierte Informationen zu Personen

2. Mai 2007 um 19:05 2 Kommentare

Herr G. hat Quellen für Personen-Normdaten zusammengefasst. Neben der Personennamendatei (PND) über die über die DNB oder über das HBZ sind die Name Authorities der Library of Congress (auch als Webservice) und WorldCat Identities (mehr dazu bei Thom Hickey, ich schrieb bereits darüber) relevant. WorldCat Identities bietet inzwischen auch Dank Ergebnisse des Projekt VIAF etwa 60.000 Links zur PND an. Im PND-Projekt der deutschsprachigen Wikipedia sind übrigens inzwischen fast 30.000 Personenartikel mit PND-Nummern versehen (vollständige Liste vom 27.4.2007 gibt es hier). Weite Quellen finden sich im Beitrag von G. bei Archivalia und in der umfangreichen von Bernhard Ebneth zusammengestellte Linksammlung historisch-biographischer Informationsmittel. Das World Biographical Information System (WBIS) aus dem Saur-Verlag mit mehrere Millionen Kurzbiographien ist übrigens inzwischen in Deutschland als Nationallizenz verfügbar.