Eingeschlossene Nutzer im Datengrab Web 2.0

28. August 2007 um 00:51 1 Kommentar

Gestern Nacht hat überraschend Blogscout seinen Dienst eingestellt. Ich hatte den kostenlosen, privaten Dienst bei Markus kennengelernt und gerne genutzt, um zu schauen, von wo und wie oft mein Blog aufgerufen wird und über welche Suchanfragen and Referrer die Besucher kommen – beispielsweise wollen sie wissen, wer Bundeskanzler ist. Jetzt sind diese ganzen Statistiken weg. Das Beispiel erinnert mich daran, dass inzwischen statt Software Webservices und Daten im Zentrum stehen. Die wenigsten Webanwendungen bieten jedoch eine vollständige Exportfunktion, um die Daten auch wieder herauszubekommen. Und selbst dann ist der vollständige Umstieg auf einen anderen Dienst problematisch. Für Backups ist anscheinend der Anbieter des Webservices da (im Zweifellsfall haben die Amerikaner und Chinesen jeweils noch eine Kopie). Ein wenig erinnert mich das an die Microsoft-Produkte, deren Dateiformate den Softwarewechsel auch stark behindert haben. Tim O`Reilly hat es in einem Wired-Interview im April auf den Punkt gebracht: Web 2.0 Is About Controlling Data (aufgegriffen aber bisher nicht viel weitergesponnen von einigen Bibliotheken).

Idealerweise sollten nicht nur die Daten wieder aus dem Webdienst heraus und in eine eigene Anwendung hereinkommen sonder gleich die ganze Webanwendung frei sein. Ein Beispiel dafür ist LiPost, das man sich auch auf dem eigenen Server installieren kann. Für freie Software, die unter der Affero GPL (AGPL) lizensiert ist, ist die Zur-Verfügung-Stellung des Quelltextes bei einer Anwendung als Webdienst sogar zwingend.

Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Problem, dass Web 2.0 die durch Freie Software gewonnene Freiheit bedroht, findet sich im Artikel Free Software and the Web von Alejandro Forero Cuervo.

Deklaration für gerechteren Zugang zu Wissen

29. Mai 2007 um 17:15 Keine Kommentare

Das Netzwerk Freies Wisses hat anläßlich des kommenden G8-Gipfels, speziell zu Fragen des geistigen Eigentums der immateriellen Monopolrechte die Declaration for better development and just access to knowledge in all forms veröffentlicht. Die Deklaration kann ab sofort unter http://declaration.wissensallmende.de online unterzeichnet werden.

Der Unterzeichnerliste entnehme ich weitere Organisationen, die sich für Freies Wissen einsetzen, darunter das (anscheinend inzwischen eher inaktive) Netzwerk neue Medien und Piratenparteien aus Schweden, Holland, Russland, Österreich und Deutschland. Die Piratenpartei hat nichts mit dem Fluch der Karibik zu tun, sondern ist trotz des albernen Namens angesichts der fortschreitenden Kontrolle des Internets (aktuell zum Beispiel unter dem realitätsfernen Vorwand Bomben verhindern zu können) anscheinend leider viel notwendiger als beispielsweise die altehrwürdige APPD, die übrigens einer der Vorreiter der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen war – aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Studierende in Konstanz für mehr Gebühren?

10. Mai 2007 um 12:33 9 Kommentare

Wie Eric Steinhauer berichtet, legt die Bibliotheksgebührenordnung der Universität Konstanz (PDF) vom 19. Dezember 2006 in § 2 Abs. 2 Nr. 1 eine Jahresgebühr für externe Benutzung in Höhe von 56 € fest. Eine Ermäßigung aus sozialen Gründen ist nicht vorgesehen. Nach einem Artikel in Heft 85 (16. April 2007) der Mitarbeiterzeitung der UB Konstanz beschreibt Petra Hätscher, wie die Gebühren zustande gekommen sind. Angeblich haben Studierende im Senat dafür gesorgt, dass die Gebühren nicht niedriger ausgefallen sind und dass eine Ermäßigung aus sozialen Gründen abgelehnt wurde. Der Artikel ist leider noch nicht online und das Protokoll der Senatssitzung liegt mir auch nicht vor, deshalb sollten keine voreiligen Urteile abgegeben werden. Am Besten sollte sich erstmal der AStA der Uni Konstanz zum Thema äußern. Da RCDS und die Liberale Hochschulgruppe zusammen nur 4 von 13 Sitzen haben, scheiden die üblichen Verdächtigen ja schon mal aus. Ich kann mir allerdings denken, dass die Studenten in Argumentationsfalle getappt sind, wie sich von Unicheck/INSM zur Erhöhung der Akzeptanz von Studiengebühren verwendet werden: Die UB Konstanz bekommt nämlich von den Studiengebühren 420.000 Euro – davon profitieren natürlich auch externe Benutzer. Anstatt das als einen weiteren Grund zur grundsätzlichen Kritik an Studiengebühren zu nehmen, denkt sich da so mancher Student, dass externe Benutzer eben auch zur Kasse gebeten werden sollten – und schon haben die neoliberalen Befürworter von Studiengebühren mit ihrer Argumentation gewonnen. Alles wird versucht gegeneinander aufzurechnen und die Spriale des Gebühren-Wettrüstens kann losgehen. Das Leistungen wie Bildung und Bibliotheken kostenlos angeboten werden und für eine offene Gesellschaft unabdingbar sind, passt da wohl nicht ins Konzept.

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