Gewinner des Theseus-Wettbewerb ausgezeichnet

20. Juni 2008 um 16:40 Keine Kommentare

Unter 180 Bewerbungen im Rahmen des Theseus-Talente-Wettbewerbs sind vor drei Tagen die Gewinner ausgezeichnet worden. Ein Vorschlag, die Webseite des Wettbewerbs von unnötigen PDFs zu befreien, fand sich anscheinend nicht unter den Einreichungen – etwas versteckt findet sich zumindest ein “News”-Beitrag, in dem die ersten vier von 14 ausgezeichneten Gewinner kurz mit ihrem Thema genannt sind. Statt langweiligen Informatik-, Technik-, und Wirtschaftsthemen gibt es den erste Preis für einen Beitrag zum Thema “Tagging” in Verbindung mit “Semantik”. Die Autorin Sonja Kraus studiert auf Lehramt und Magister mit den Nebenfächern Angewandte Sprachwissenschaft und sprachliche Informationsverarbeitung und hat ihren Beitrag mit “Semantstrategien” betitelt. Was genau das sein soll geht auch aus ihrem Blog nicht so ganz hervor und die Originalarbeit ist auch (noch?) nicht öffentlich verfügbar, so dass es erstmal bei Buzzwords bleibt. Ich hoffe, es ergeht der Arbeit nicht wie dem ersten deutschsprachigen Buch zum Thema Social Tagging (“Social Tagging” von Sascha Carlin, ISBN 3-940317-03-9), auf das ich schon seit einem Dreivierteljahr vergeblich warte. Stattdessen wird nun das erste Buch der Sammelband “Good Tags, Bad Tags” zur Tagung Social Tagging in der Wissensorganisation, der unter Anderem einen Beitrag von mir zum Semantischen Tagging enthält (weitere Infos zum Sammelband bei Birgit Gaiser). Neben Sonjas Arbeit wurde übrigens noch ein weiterer Text zum Thema Tagging ausgezeichnet und zwar der von Kim Korte (gefunden dank Trackback in Sonjas Blog :-) .

Wettbewerb: Ideen zur Zukunft des Internets

20. März 2008 um 13:58 1 Kommentar

Leider etwas an mir vorbeigegenagen ist der schon seit November letzten Jahres laufende Ideenwettbewerb im Rahmen des Theseus-Projekt mit Einsendeschluss 14. April 2008 [via IB Weblog]. Der Wettbewerb an sich ist aller Kritik am Theseus-Projekt zum Trotz schon mal eine gute Idee! Hier das wichtigste zusammengefasst:

Schaut euch den Fragenkatalog an, ignoriert das Geschwurbel und Technoblabla und sucht euch eine Frage aus, die irgendwie passend klingt. Dann heftig Brainstormen, Drogen einwerfen, Spazieren gehen oder wie auch immer die besten Ideen kommen und anschließend die Geistigen Ausflüsse in verständlicher Form zusammenfassen. Die Teilnahmebedingungen sind:

Die besten Ideen werden mit Geldprämien ausgezeichnet und im Rahmen einer Patenschaft mit einem THESEUS-Konsortialpartner umgesetzt und weiterentwickelt. Es ist vorgesehen, insgesamt bis zu 24 Ideen auszuzeichnen. Die beste Idee soll mit 10.000 €, die Preisträger zwei bis vier mit jeweils 5.000 € prämiert werden. Alle weiteren Preisträger sollen mit 2.500 € ausgezeichnet werden. [...] Teilnahmeberechtigt sind natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland, z.B. Nachwuchs¬wissenschaftler, Studierende, Schüler und freie Entwickler. [...] Die Idee sollte auf max. 10 Seiten beschrieben werden. [...] Nach Ausfüllen des Anmelde-Formulars kann der Wettbewerbsbeitrag als pdf-Datei hochgeladen werden. Alle Angaben können bis zum Einsendeschluss jederzeit verändert werden. [...] Die eingegangenen Wettbewerbsbeiträge werden durch eine Jury mit Beteiligung externer Experten bewertet. Hauptbewertungskriterien sind Qualität der Idee, Innovationsgehalt und Originalität des Ansatzes sowie Umsetzbarkeit. Weitere Kriterien sind Potenzial und Kompetenz des Wettbewerbsteilnehmers, Qualität des Arbeitsplanes und der Ressourcenabschätzung sowie Verwertungs-, Markt- und Anwendungspotenzial.

Übrigens spricht nichts dagegen, gute Ideen von anderswo zu nehmen (natürlich mit Quellenangabe!) und Ideen öffentlich zu diskutieren. Ideen sind zum Teilen da, und wer eine Idee weitergibt kann nur gewinnen (gegen die künstliche Monopolisierung durch Patente und andere Vergewaltigungen des Wissens helfen Freie Lizenzen).

Wem nichts einfällt hier zur Anregung einige Ideen über Ideen.

Wird dem Theseus-Projekt (100 Millionen) Geld für eine Begleitstudie hinterhergeworfen?

21. August 2007 um 23:48 1 Kommentar

Bis zum 15.9. läuft eine Ausschreibung des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zu einer “Begleitforschung für das Forschungsprogramm THESEUS” (ich berichtete bereits letzten Monat). Mit der Begleitforschung soll “sichergestellt werden, dass die Fördermaßnahme mit hoher Effizienz umgesetzt, die Qualität der wissenschaftlichen Arbeiten gesi­chert und das im Rahmen von THESEUS gewonnene Know-How schnell verbreitet wird”. Ich stelle hiermit meine folgende Begleitstudie dem BMWi vorab und kostenlos zur Verfügung:

Im Projekt THESEUS wurden mit Hilfe vieler Buzzwords zahlreiche Berichte, Studien und Prototypen erstellt und 100 Millionen Euro Forschungsgelder an 30 Partner aus Industrie, Wissenschaft und Forschung verteilt. Ende der Studie.

Mal im Ernst: Evaluation ist ja eine gute Idee, aber ich Frage mich, ob einem Großprojekt (bei dem jeder Teilnehmern hauptsächlich für sich möglichst viel Renommee und Geld abgreifen möchte aber am Ende für nichts in die Verantwortung genommen wird), mit solch zusätzlicher Metaforschung (bei der doch wieder die Freunde und Bekannten der Auftragnehmer im Boot sitzen) beizukommen ist. Wenn schon großspurig in der Projektbeschreibung von Web 2.0 und Web 3.0 die Rede ist, dann sollte das auch bei der Planung und Begleitung des Projektes deutlich werden. Wie wäre es statt einer aufwendigen und intransparenten Begleitstudie (die eigentlich ja auch wiederum evaluiert werden müsste) mit einigen wenigen, klaren Regeln für alle Beteiligten:

§ 1) alle im Rahmen von Theseus entwickelten Computerprogramme und Programmbibliotheken werden als Freie Software veröffentlicht und im Laufe des Projektes als Open Source zur Verfügung gestellt, so dass sie von unabhängiger Seite evaluiert, weitergenutzt und weiterentwickelt werden können.

§ 2) alle im Rahmen von Theseus erstellten Dokumente (Berichte, Anleitungen, Dokumentationen, Digitalisate etc.) werden im Laufe des Projektes als Freie Inhalte veröffentlicht, so dass sie von unabhängiger Seite evaluiert, weitergenutzt und weiterentwickelt werden können.

§ 3) die unter § 2 genannten Dokumente umfassen insbesondere auch alle im Rahmen des Theseus-Projektes anfallenden Verträge, Protokolle, Absprachen und Standards, für die zusätzlich eine zeitnahe Veröffentlichung bindent ist, so dass die innerhalb des Projektes getroffenen Entscheidungen von unabhängiger Seite kommentiert und ihre Einhaltung kontrolliert werden können sowie Geldverschwendung und Korruption durch Transparenz vermieden werden.

§ 4) bei Verstößen gegen §§ 1-3 werden den Beteiligten Projektpartern die Fördermittel gekürzt.

Zu einfach? Naiv? Undurchsetzbar? Na dann fällt bei 100 Millionen das Geld zur Augenwischerei in Form einer konsequenzlosen Begleitstudie ja auch nicht mehr ins Gewicht.

Apropos naiv: Das BMWi fordert, dass “Für die Darstellung von Ergebnissen [der Begleitstudie] [...] die bestehende Internetseite http://theseus-programm.de in Absprache mit der hierfür vom THESEUS-Programm-Büro beauftragten Agentur genutzt werden [soll]“.

Abgesehen davon, dass jede qualifizierte Studie angesichts dieser Forderung zum Ergebnis kommen sollte, dass Geld für eine “Agentur” rausgeschmissen wurde, weil die Projektpartner zu inkompetent waren, ein CMS bzw. eine gemeinsame Kommunikations- und Publikationsplattform zu nutzen, wird diese Agentur bzw. das “THESEUS-Programm-Büro” wohl kaum relevante Kritik auf der eigenen Seite ermöglichen. Oder veröffentlicht die Chinesische Nachrichtenagentur Xinhua plötzlich auch Nachrichten über Menschenrechtsverletzungen in China?

P.S: Letzten Freitag wurde Theseus auf der Veranstaltung “Wag the long tail” des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft e.V Theseus “erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt”. Die dazugehörige Pressemitteilung wurde an verschiedener Stelle (u.A. heise) rezipiert – was die viertelstündige (sic!) Vorstellung durch Stefan Wess (Geschäftsführer der Bertelsmann-Tochter Empolis) enthielt, erfährt die Öffentlichkeit aber nicht. Bei Linuxworld schreibt schreibt dazu John Blau, der anscheinend dabei war.

Streit um Theseus: wohin mit 120 Millionen?

20. Juli 2007 um 15:36 2 Kommentare

Wie am 19.7 mittgeilt wurde ist das EU-Suchmaschinen-Großprojekt Theseus bewilligt worden. Der Gemeinnützige Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs e.V. (SuMa-eV) regt sich darüber auf (siehe Pressemitteilung), allerdings dummerweise aus den falschen Gründen.

Es ist nämlich viel eher beklagenswert, dass ohne verbindliche Vorgaben 120 Millionen Euro der Großindustrie (Empolis GmbH, der SAP AG, der Siemens AG und der Deutsche Thompson oHG) in den Rachen geworfen werden, die dafür bunte Luftblasen (“Web 3.0″) erzeugt und große Versprechungen à la Transrapid und Mautsystem gemacht werden. Die Panikmache des Suma e.V. kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Dass auf “Semantische Technologien” statt auf eine Google-Kopie gesetzt wird, ist nämlich der richtige Weg – nur muss dieses Buzzword in der Praxis auch richtig ausgefüllt werden, was ich bei der vorliegenden Ausgangslage stark bezweifle.

Die 120 Millionen wären viel besser angelegt, wenn damit zu einem Teil bereits bestehende OpenSource-Initiativen im Suchmaschinen- und Semantic-Web-Bereich unterstützt werden und mit dem Rest digitalisiert und annotiert wird (sei es in Wikipedia, LibraryThing & Co oder durch Bibliotheken und Digitalisierungseinrichtungen). Eine interessante Anwendung der “semantischen Technologien” wäre es übrigens mal all die beteiligten Projektpartner, Firmen und Personen mit ihren Geschäftsbeteiligungen und Verstrickungen transparent zu erschließen, um zu erfahren, wer hier wem in die Tasche wirtschaftet.

Nachtrag: in der Englischsprachigen Blogosphäre gibt es bereits über ein Dutzend Beiträge zu Theseus. Besonders gefallen hat mir Galileo of the internet, der auch noch die besondere Europäische Komponente dieser Geldverschwendung darlegt:

But nothing symbolises the divide between old Europe and the New World. Whereas Google is a testament to the power of free enterprise, set up by Larry Page and Sergey Brin, then PhD students at Stanford University, the European version is a multi-million project, heavily subsidised by the German and French governments, and developed by some of the largest corporate giants in Europe.

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