Streit um Theseus: wohin mit 120 Millionen?

20. Juli 2007 um 15:36 2 Kommentare

Wie am 19.7 mittgeilt wurde ist das EU-Suchmaschinen-Großprojekt Theseus bewilligt worden. Der Gemeinnützige Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs e.V. (SuMa-eV) regt sich darüber auf (siehe Pressemitteilung), allerdings dummerweise aus den falschen Gründen.

Es ist nämlich viel eher beklagenswert, dass ohne verbindliche Vorgaben 120 Millionen Euro der Großindustrie (Empolis GmbH, der SAP AG, der Siemens AG und der Deutsche Thompson oHG) in den Rachen geworfen werden, die dafür bunte Luftblasen (“Web 3.0″) erzeugt und große Versprechungen à la Transrapid und Mautsystem gemacht werden. Die Panikmache des Suma e.V. kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Dass auf “Semantische Technologien” statt auf eine Google-Kopie gesetzt wird, ist nämlich der richtige Weg – nur muss dieses Buzzword in der Praxis auch richtig ausgefüllt werden, was ich bei der vorliegenden Ausgangslage stark bezweifle.

Die 120 Millionen wären viel besser angelegt, wenn damit zu einem Teil bereits bestehende OpenSource-Initiativen im Suchmaschinen- und Semantic-Web-Bereich unterstützt werden und mit dem Rest digitalisiert und annotiert wird (sei es in Wikipedia, LibraryThing & Co oder durch Bibliotheken und Digitalisierungseinrichtungen). Eine interessante Anwendung der “semantischen Technologien” wäre es übrigens mal all die beteiligten Projektpartner, Firmen und Personen mit ihren Geschäftsbeteiligungen und Verstrickungen transparent zu erschließen, um zu erfahren, wer hier wem in die Tasche wirtschaftet.

Nachtrag: in der Englischsprachigen Blogosphäre gibt es bereits über ein Dutzend Beiträge zu Theseus. Besonders gefallen hat mir Galileo of the internet, der auch noch die besondere Europäische Komponente dieser Geldverschwendung darlegt:

But nothing symbolises the divide between old Europe and the New World. Whereas Google is a testament to the power of free enterprise, set up by Larry Page and Sergey Brin, then PhD students at Stanford University, the European version is a multi-million project, heavily subsidised by the German and French governments, and developed by some of the largest corporate giants in Europe.

2 Kommentare »

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  1. [...] und Technologie zu einer “Begleitforschung für das Forschungsprogramm THESEUS” (ich berichtete bereits letzten Monat). Mit der Begleitforschung soll “sichergestellt werden, dass die [...]

    Pingback by Wird dem Theseus-Projekt (100 Millionen) Geld für eine Begleitstudie hinterhergeworfen? « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß — 21. August 2007 #

  2. Wo du Recht hast, hast du Recht. Theseus ist ein Chaosladen. Da weiß der Kopf nicht was die Hand tut.
    Die Hände sammeln schön Gelder ein und verblasen diese in die Luft. Dabei haben diese nicht mal Ahnung von Web und solchen Dingen und müssen sich erst mal Leute rein holen. Das kann ich sagen, da ich für ein Projekt im Studium mit einer Firma aus der Partnerliste gearbeitet haben. Das europäische Volk zahlt für nix und Theseus wird sicherlich keine Konkurrenz für Google. Google wird technologisch immer 2-3 Schritte voraus sein.

    Kommentar by jobnomade — 21. November 2008 #

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