Bibliographische Daten müssen frei sein

4. Dezember 2008 um 00:42 7 Kommentare

In der englischsprachigen Biblioblogosphäre schlägt die neue OCLC-Policy zur Nutzung von Datensätzen aus WorldCat (PDF) schon seit Wochen hohe Wellen, während es in Deutschland aufgrund der geringeren Relevanz von WorldCat eher ruhig ist. Eine gute Zusammenfassung gab es vor zwei Wochen in netbib, der aktuelle Stand lässt sich dem CODE4LIB-Wiki entnehmen.

Ein bischen tun die Kollegen von OCLC mir ja schon leid: ich bezweilfle nicht einmal, dass sie mit der Policy die Möglichkeiten zur Nutzung der Daten verbessern wollten. Aber solange (wie bei den Verlagen) an totgeweihten Finanzierungsmodellen festgehalten wird, kann das nicht funktionieren. Der einzig richtige Weg ist, die bibliographischen Daten aus WorldCat freizugeben, so dass sie jeder ohne vorherige Einwilligung weiternutzen kann. Da Datenbanken nicht einfach dem Uhrheberrecht sondern je nach Land anderen Gesetzen unterliegen, ist die Sache nicht so einfach wie bei anderen Inhalten, aber es gibt bereits verschiedene Initiativen zu freien Katalogdaten, die sich auch den rechtlichen Aspekten widmen. Die einfachste Variante ist es, die Daten völlig frei unter Public Domain zu stellen, so dass jeder damit machen kann was er möchte. Falls verhindert werden soll, dass sich beispielsweise Google die Daten für Google Books einverleibt (die Google-Policy ist noch viel restriktiver als die von OCLC!), könnte eine virale Lizenz (Copyleft) verwendet werden, so wie es zum Beispiel bei Wikipedia üblich ist.

Der Streit ob Public Domain oder Freie Inhalte ist alt (siehe BSD vs. GNU/Linux) und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, was sich für bibliographische durchsetzen wird. Sicher ist aber dass bibliographische Daten frei sein müssen. Zur Not werden halt die interessanten Daten nochmal abgetippt (oder gescannt – Handycam und OCR sollte bald ausreichen) und der Rest vergammelt in den Bibliothekskatalogen. Drei Beispiele: die Open Library steht bereit, die Erschließungsmöglichkeiten in LibraryThing werden immer ausgefeilter (die freiwilligen Katalogisierer ebenfalls) und bis in Wikipedia der Plan für eine zentrale Literaturdatenbank umgesetzt wird, ist nur eine Frage der Zeit.

Es ist an OCLC zu entscheiden, ob ihre Daten Teil dieser Bewegung sein werden oder nicht. Das trifft übrigens ebenso auf deutsche Bibliotheken und Bibliotheksverbünde zu! Entweder die Datenbanken werden geöffnet oder in Zukunft werden andere als Katalogexperten herangezogen. Wer daran zweifelt, sollte mal an Brockhaus und Wikipedia denken ;-)

7 Kommentare »

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  1. Bin voll Deiner Meinung. Sonst kann man nicht einmal zitieren… Oder?

    Kommentar by Robert K. (nein, nicht Kafka) — 7. Dezember 2008 #

  2. Genau, wie du sagst. Die Beispiele von Brockhaus und Wikipedia sind klasse und auch Robert K. muss ich recht geben. Zitate machen einen Text doch erst richtig lesenswert, bzw. können diesen entsprechend aufwerten.

    Kommentar by Mario — 8. Dezember 2008 #

  3. [...] zu haben. Für bibliographische Daten wird es etwas komplizierter. Jakob fordert in seinem Blog Bibliographische Daten müssen frei sein. Die bibliographischen Daten sind an sich frei. Sie sind Daten ohne jegliche [...]

    Pingback by [Kurz] Creative Commons und Bibliographische Daten - Bibliothekarisch.de -   — 16. Dezember 2008 #

  4. Also zuerst einmal möchte ich mich Mario anschließen. Ich finde auch, dass Wiki sehr gut ist und auch Brockhaus. Brockhaus habe ich zuhause. Und ich nutze es auch sehr häufig um etwas nachzusehen. Allerdings finde ich es nicht so toll, wenn ich einen Text lesen muss indem sehr viele Zitate vorhanden sind. Das macht einen Text schnell unübersichtlich und man verliert das Thema aus den Augen. Deshalb finde ich, dass hier weniger mehr ist. Darum sollte man sich auf wenige Zitate in einem Text begrenzen.

    Kommentar by Franzi — 6. Januar 2009 #

  5. [...] Ich bin ja persönlich der Meinung, dass bibliographische Daten wie beispielsweise WorldCat frei sein sollten, die passenden Lizenzen gibt es bald oder jetzt schon. Wenn allerdings, wie Adrian ausführt, [...]

    Pingback by Zwei Artikel zu Hochschulbibliografien und zur WorldCat Policy im Bibliotheksdienst « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß — 22. März 2009 #

  6. [...] Ende geht (Videomitschnitte hier) habe ich heute mal wieder etwas mehr in Wikipedia getan und das bereits Ende 2008 erwähnte Projekt einer zentralen Wikimedia-Literaturdatenbank weiterverfolgt. Das Konzept sieht [...]

    Pingback by BibRecord: Wikipedia als Literaturdatenbank « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß — 28. August 2009 #

  7. [...] einem guten Einführungsartikel von Adrian Pohl (hbz). 2008 wurde das Thema im Zusammenhang mit der Diskussion um eine neue Metadaten-Policy von OCLC weiter publik und Anfang diesen Monats gab die Open Knowledge Foundation die Gründung einer [...]

    Pingback by Endlich freie bibliografische Daten aus Bibliotheken! « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß — 14. März 2010 #

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