Umfrage und Studie zu Bibliothekssystemen

29. April 2008 um 10:47 5 Kommentare

Die Ergebnisse einer 2007 durchgeführten internationalen Umfrage zu Bibliothekssystemen (ILS) sind seit Januar verfügbar. Marshall Breeding hat die Umfrage durchgeführt und stellt mehrere Statistiken bereit (ansonsten schreibt Breeding an verschiedenen Stellen zur “New Generation of Library Interfaces“). Die in Deutschland verwendeten Bibliothekssysteme sucht man vergeblich: PICA LBS: 1 Antwort, LIBERO: 3 Antworten, Allegro: 0 Antworten, SISIS-SunRise: 0 Antworten. Angesichts der niedrigen Beteiligung aus Deutschland ist das aber auch nicht verwunderlich: von 1783 Antworten kamen genausoviele von Deutschen Bibliotheken, wie beispielsweise aus Malaysia, Libanon oder Singapur: nämlich 2. Es sei aber bemerkt, dass auch aus den im Vergleich zu Deutschland hinsichtlich ihrer Bibliothekssysteme aktiveren Niederlanden nur 5 Antworten kommen, die Masse ist aus dem Englischsprachigen Raum.

Ein wenig seltsam finde ich das schon, was ist die Schlussfolgerung? Deutsche Bibliotheken interessieren sich nicht für ihre Bibliothekssysteme? Deutsche Bibliotheken nehmen nicht an internationalen Umfragen teil? Die in Deutschland verwendeten Bibliothekssysteme sind sowieso hoffnungslos irrelevant? Was Softwaremäßig außerhalb des deutschen Bibliothekstellerands geschieht interessiert nicht? Umfragen werden überbewertet? …

Auf eine weitere Studie weist Lorcan Dempsey hin: “Library Management Systems Study: An Evaluation and horizon scan of the current library management systems and related systems landscape for UK higher education” (PDF). Die Studie enthält einige sehr bemerkenswerten allgemeinen Aussagen (“Key trends”) über die Entwicklung von Bibliothekssystemen: Standards, Web Services, Konsortien, Open Source, Open Data, Entkoppelte Systeme (Serviceorientierte Architektur). Es lohnt sich also auch hier mal reinzuschauen (wenn man sich für die Zukunft von Bibliothekssystemen interessiert). [via Web4lib].

5 Kommentare »

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  1. Wer kennt in Deutschland Marshall Breeding und seine Webseiten und monatlichen Newsletter (Library Technology Update)? Konzentriert sich inhaltlich alles doch sehr auf den US-amerikanischen Raum.
    Verwundert aber doch auch nicht so sehr. Uns interessiert ja auch relativ wenig, was sich in den USA, Korea oder Argentinien tut, vielleicht zu wenig. Warum sollte dann aber Marshall Breeding das europäische Geschehen im Blick haben? Und so liegt auch der Fokus der Umfrage auf seinem Heimatmarkt. Warum auch nicht?

    Kommentar by till — 29. April 2008 #

  2. Macht es Sinn eine ähnliche Umfrage mal in Deutschland durchzuführen? Ach, wieder ein Thema für eine Bachelorarbeit: “Bibliothekssysteme im Deutschsprachigen Raum – eine Bestandsaufnahme” ;-)

    Kommentar by jakob — 29. April 2008 #

  3. Das du in deiner Aufzählung, der in Deutschland verwendeten Systeme Aleph 500 vergisst, könnte man schon fast als Betriebsblindheit interpretieren ;-) Oder gab’s dafür zu viele Antworten? Aber mal kurz zur Sache: Das Thema Bibliotheksysteme beschränkt sich in Deutschland ja leider zu stark auf die Frage Aleph oder PICA (jedenfalls im Akademischen Bereich) Alternativen werden viel zu selten diskutiert (jedenfalls im Akademischen Bereich im Bereich der öffentlichen Bibliotheken sieht das Ganze wieder etwas anders aus), was vielleicht auch auf die dt. Verbundlandschaft zurückzuführen ist. Da die Verantwortung für das Thema Bibliotheksystem einfach “outgesourct” ist und man selber sich damit gar nicht mehr befassen muss.

    Kommentar by PatrickD — 3. Mai 2008 #

  4. [...] an die US-Umfrage zu Bibliothekssystemen möchte ich auf die unterhaltsame, vonLibrary Mistress ausgegrabene Liste [...]

    Pingback by Mehr zu Bibliothekssoftware « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß — 7. Mai 2008 #

  5. Das Marshall Breeding in D unbekannt ist, wage ich zu bezweifeln. Wer mehr ueber den Markt fuer Bibliothekssysteme wissen will, wird frueher oder spaeter auf seine Veroeffentlichungen stossen. Insbesondere seine jaehrliche Veroeffentlichung im Library Journal ist ein muss:
    http://www.libraryjournal.com/article/CA6542440.html
    Das der deutsche Markt unbedeutend ist liegt wohl daran, dass sich das deutsche Bibliothekswesen mit einem exotischen bibliographischen Standard immer noch vom Rest der Welt abkoppelt. Was mich an der zitierten Umfrage gestoert hat, war die mangelnde Differenzierung: da werden die Antworten der vielen amerikanischen K12 Bibliotheken mit den Antworten der public libraries und den Systemen der grossen Verbuende zu einer Suppe verruehrt. Rueckschluesse auf die Bedeutung einzelner Anbieter, technische oder oekonomische Trends sind so leider nicht moeglich. Aber das war vielleicht auch gar nicht die Absicht!

    Kommentar by Heinz — 12. Mai 2008 #

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