Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

30. Dezember 2014 um 10:43 4 Kommentare

Krach, Zack, Bumm! Da liegt die Jalousie unten. Ein kleinen Plastikteil ist abgebrochen, das wäre doch ein prima Anwendungsfall für einen 3D-Drucker, oder? Schön länger spiele ich mit dem Gedanken, einen 3D-Drucker anzuschaffen, kann aber nicht so recht sagen, wozu eigentlich. Die Herstellung von Ersatzteilen aus dem 3D-Drucker scheint mir allerdings eher so ein Versprechen zu sein wie der intelligente Kühlschrank: theoretisch ganz toll aber nicht wirklich praktisch. Es würde mich vermutlich Stunden kosten, das passende Teil auf diversen Plattformen wie Thingiverse zu finden oder es mit CAD selber zu konstruieren.

Ohne verlässliche 3D-Modelle bringt also der beste 3D-Drucker nichts, deshalb sind die Geräte auch nur ein Teil der Lösung zur Herstellung von Ersatzteilen. Ich bezweifle sehr dass in naher Zukunft Hersteller 3D-Modelle ihrer Produkte zum Download anbieten werden, es sei denn es handelt sich um Open Hardware. Abgesehen von elektronischen Bastelprojekten ist das Angebot von Open-Hardware-Produkten für den Hausgebrauch aber noch sehr überschaubar. Dennoch denke ich, dass Open Hardware, das heisst Produkte deren Baupläne frei lizensiert zur kostenlosen Verfügung stehen, sowie standardisierte Bauteile das einzig Richtige für den Einsatz von 3D-Druckern im Hausgebrauch sind.

Ich werde das Problem mit der kaputten Jalousie erstmal mit analoger Technik angehen und schauen, was ich so an passenden Materialien und Werkzeugen herumliegen habe. Vielleicht hilft ja Gaffer Tape?

Die Maker-Community Knowable.org

2. November 2012 um 09:08 1 Kommentar

Über die Berichterstattung zur Retune-Konferenz bin ich auf das Berliner Startup knowable.org gestoßen, dessen Gründer Simon Höher auf der Retune einen Vortrag gehalten hat. Retune ist eine Platform zum Austausch von Bau- und Bastelanleitungen, also so ähnlich wie Instructables, WikiHow, Make: Projects und ähnliche Seiten. Knowable.org vergleicht sich allerdings lieber mit GitHub und mit physischen Hackerspaces. Was bedeutet das und was ist das Besondere an der Plattform?

1. Die auf Knowable veröffentlichten Projekte sind unter CC-BY-SA lizensiert. So können Teilnehmer beispielsweise auf Inhalte von Wikipedia und Wikibooks zurückgreifen (und umgekehrt).

2. Die Anleitungen sind absichtlich einfach gehalten. Dass eine Beschränkung des Umfangs vorteilhaft sein kann hat schon Twitter gezeigt. Bei Knowable besteht jeder Schritt einer Anleitung aus bis zu 320 Zeichen und ggf. einem Bild fester Größe, wodurch das Layout der Seite einfach bleibt. Lediglich die Möglichkeit, zu jedem Schritt einzelne Hyperlinks hinzuzufügen, z.B. auf Quellcode und exakte Maßzeichnungen, würde ich noch aufnehmen.

3. Anleitungen können von allen Nutzern bearbeitet werden. Dabei hat jeder Nutzer seine eigene Version, die von anderen übernommen, verworfen oder weiterentwickelt werden kann. Mit diesem Prinzip einer verteilten Versionsverwaltung unterscheidet sich Knowable von ähnlichen Wiki-basierten Seiten wie bildr.org und Wikibooks.

Leider ist der letzte Punkt noch nicht umgesetzt. Ich wünsche mir allerdings auch lieber ein durchdachtes Datenmodell als eine schnelle Lösung, die später Probleme bereitet. Beispielsweise sollte klar sein wie Projekte mit ihrer Versionsgeschichte im- und exportiert werden können und wie Diffs zwischen zwei Versionen aussehen können. Dies ist nicht trivial, wie folgendes Beispiel zeigt (wer kein Interesse an Datenmodellierung hat, möge jetzt aufhören zu lesen):

Eine Möglichkeit zur Kodierung von Anleitungen wäre das Dateiformat oManual. Die Versionsgeschichte ließe sich in einem git-Repository speichern, dass der Ordnerstruktur von oManual entspricht. Das von oManual benutze XML-Format eigent sich jedoch nicht gut, um Änderungen darzustellen. Ein wesentlicher Grundsatz, der für Dateiformate in Versionsverwaltungen eingehalten werden sollte ist die Beschränkung auf das Wesentliche durch Normalisierung. Beispielsweise ist folgendes oManual-Fragment nicht normalisiert:

<step number="1">...</step>
<step number="2">...</step>

Der größte Teil des XML-End-Tags (/step>) ist prinzipiell redundant, so ist XML aufgebaut. Die Nummerierung der Schritte ergibt sich eigentlich automatisch aus der Reihenfolge, so dass das “number”-Attribut redundant ist. Außerdem müsste die Nummerierung aller folgenden Schritte geändert werden, wenn zwischen Schritt 1 und Schritt zwei ein weiterer Schritt eingefügt wird. Aus diesem Grund tendiere ich zu kompakten textbasierten Formaten (wie z.B. Markdown), aus denen sich bei Bedarf verschiedene Formate in JSON, XML, RDF etc. erzeugen lassen.

Ein kleiner Tipp an die Entwickler von Knowable.org: Achtet auf die Normalisierung von Leerzeichen und verschiedenen Unicode-Formen (NFC) und vereinheitlicht auch die Bilddateien (incl. Metadaten). Außerdem ließe sich die Bildeinbindung über die MediaWiki-API mit Wikimedia Commons anbinden. Dabei sollte zu jedem Bild grundsätzlich eine Quelle (URL) und ein Autor angegeben werden können, um der CC-BY-SA Lizenz genüge zu tun und um einen Verweis auf hochauflösende Versionen der Bilder zu haben. Für die Erschließung der Anleitungen mit Tags und Werkzeugen kommt auch Wikipedia/DBPedia in Frage, um gleich ein kontrolliertes Vokabular zu haben.

P.S.: Es gibt übrigens noch einige andere Projektseiten, bei denen einige Inhalte unter einer freien Lizenz veröffentlicht sind, z.B. bei Fritzing Projects und Thingiverse. Wenn Knowable.org tatsächlich sowas wie GitHub für physische Dinge wird, sollten sich Projekte von anderen Plattformen übernehmen und weiterentwickeln lassen.

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