Gibt es Diskurse in Metadaten?

9. Juli 2012 um 00:35 2 Kommentare

Im Libreas Weblog (wahrscheinlich unfreiwillig eines der Instanzen von #newLIS) haben Ben Kaden und Karsten Schuldt eine zwischen ihnen geführte Debatte zu folgender Forschungsfrage zusammengefasst:

Wie viel oder wie wenig Diskurs findet sich in Metadaten beziehungsweise Netzwerken von Metadaten Und was davon kann wie informationswissenschaftlich ausgewertet werden?

Grundsätzlich begrüße ich es sehr wenn die beiden ihre ausführlichen Informations-wissenchaftlichen Beiträge zusammenzufassen. Noch mehr begrüße ich Auseinandersetzungen mit Begriffen von Daten und Metadaten. Ich hoffe, deshalb, dass ihre Forschung nicht nur im Diskurs weiterlebt, sondern sich auch als Ergebnis in einer Beantwortung der Forschungsfrage niederschlägt. In ihrem Blogartikel äußern die beiden Autoren fünf Grundannahmen, von denen ich die ersten vier teile. Die fünfte Grundannahme, dass die “Bibliotheks- und Informationswissenschaft [...] vorrangig eine befragende und beschreibende Wissenschaft” sei, teile ich nicht. Ich befürchte stattdessen, dass die beiden beim Fragen und Beschreiben stehen (bzw. in Bewegung) bleiben. Nach meinem Eindruck ziehen sie es vor, darüber zu diskutieren, “was eine Bibliotheks- und Informationswissenschaft sein soll” statt die eingangs gestellt Forschungsfrage zielgerichtet zu beantworten.

Mich interessieren jedenfalls Antworten auf die Frage nach Diskursen in Metadaten. Hier nur einige Anregungen:

(1) Zunächst ist es notwendig die Kernbegriffe Diskurs und Metadaten zu definieren.

(2) Interessant am Konzept der Metadaten sind zwei Aspekte: ihre beschreibende Funktion und ihre digitale Struktur.

(3) Hilfreich ist wie so oft der Blick über den Tellerand auf verwandte Phänomene. Aus der Forschungsfrage ergeben sich unter anderem folgende vorläufige Teilfragen:

1. Wie viel oder wie wenig Diskurs findet sich in (reinen) Beschreibungen?

2. Wie viel oder wie wenig Diskurs findet sich (reinen) Strukturen?

Für die Aufgabenstellung eine Master- oder die Ausgangslage einer Doktorarbeit sollte das genügen. Vielleicht lässt sich die Frage zumindest teilweise auch bereits in Form eines Fachartikels beantworten.

2 Kommentare »

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  1. Also eigentlich haben wir in dem Posting von einem Workshop berichtet, den wir organisiert haben, weil wir innerhalb unserer Diskussion darauf stiessen, dass einige Fragen nicht von uns, sondern “von allen” diskutiert werden müssten.
    Bei der Frage der Diskurse sind wir zur Uneingkeit gelangt, das beide im Raum stehenden Diskursbegriffe – vereinfacht mit Habermas und Foucault etikettiert – auf diese Frage zwei gegenläufige Antworten zulassen. Mit einer Diskursethik nach Habermas sind Metadaten Diskurs, mit einem Diskursbegriff als Analyseinstrument von Machtbeziehung nach Foucault sind sie es nicht. Mir scheint, dass zumindest mit zweiterem Ansatz (Habermas kann ich überhaupt nicht vertreten) deine zwei Fragen schon beantwortet sind: Reine Beschreibungen und reine Strukturen sind keine Diskurse. Sie sind Produkte von Diskurse und in sie so verwebt, dass sie als Teil von Bedeutungsnetzen Wirkung entfalten können. Aber für sich alleine sind sie Daten, nicht weniger und nicht mehr. (Das war allerdings auch der Punkt, den ich in der Debatte zu machen versuchte.) Da stellt sich mir dann die Frage, was weiter zu forschen wäre.
    (Bzw. das sich bibliographische Metadaten als Teil von Diskursen lesen und in eine Genealogie ordnen lassen.. der Artikel ist geschrieben, nur noch nicht veröffentlicht. Von wegen nur diskutieren… pfff… *schüttelt mit dem Kopf*)

    Kommentar by Karsten Schuldt — 9. Juli 2012 #

  2. ” Mit einer Diskursethik nach Habermas sind Metadaten Diskurs [...]”

    Ich sehe nicht, inwiefern nach der Diskursethik Metadaten an sich “Diskurs” sein können. Der Datenbegriff spielt meines Wissens nach in der Diskursethik überhaupt keine Rolle. Zentral ist dort die Argumentation, also Aussagen, die das gesamte semiotische Spektrum abdecken. Die Daten sind an dieser Stelle bestenfalls ein Teilbereich, der ohne Zusammenhang buchstäblich sinnlos bleiben muss. Betrachten wir also die Konstellation Metadaten und Diskurs, dann sind reine Strukturen ein vergleichsweise wenig fruchtbarer Boden. Erstellungs- und Verwendungspraxen dagegen saftiger Humus.

    Insofern macht es sich Karsten an dieser Stelle etwas sehr einfach und pflegt sein bekanntes Ressentiment. In seinem zur Veröffentlichung anstehenden Beitrag dann hoffentlich nicht.

    Sehr einverstanden bin ich jedoch mit der Abkürzung:

    “Reine Beschreibungen und reine Strukturen sind keine Diskurse.”

    Und für den weiteren Diskurs müssten wir uns wenigstens darüber verständigen, woran sich die (Un-)Reinheit von Metadaten erkennen lässt.

    Kommentar by Ben Kaden — 12. Juli 2012 #

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