Programme zur Annotation von PDF-Dateien

14. Oktober 2010 um 21:59 9 Kommentare

Die anhaltende Verbreitung des seitenorientierten Portable Document Format (PDF) kann ich als Informationswissenschaftler als reaktionäres Phänomen zur fortschreitenden Digitalisierung von Dokumenten ansehen, Mittelfristig wird sich der Dokumentbegriff von traditionellen Konzepten wie “Original” und “Seite” lösen. Hier und jetzt lassen sich PDF-Dateien aber nicht vermeiden und sind zudem ein relativ einfache Methode, Texte so zu verbreiten, dass sie beim Empfänger auch so ankommen, wie es sich der Autor gedacht hat.

Im Gegensatz zum Papier fehlt PDF-Dateien aber oft die einfache Möglichkeit, Anmerkungen, Korrekturen und Kommentare anzubringen. Dies ist im PDF-Format zwar vorgesehen, aber den meisten PDF-Viewern fehlt diese Funktion. Zudem ist das Annotieren von Texten am Bildschirm nicht so Bequem wie auf Papier, was sich mit besseren Lesegeräten aber schnell ändern kann. Praktisch wäre auch ein etabliertes Dateiformat, um nur die Anmerkungen platzsparend getrennt von ihrer PDF-Datei weitergeben zu können. Ich habe mal ein wenig recherchiert, was es für Programme gibt, mit denen PDF-Dateien kommentiert werden können. Die Kommentare sollten dabei gespeichert und weitergegeben werden können, so dass sie mit jedem gängigen PDF-Viewer lesbar sind.

Wie hier beschrieben beinhaltet Apples Standard-PDF Reader unter OS X die Möglichkeit, Anmerkungen an PDF-Dateien anzubringen. Unter iPhone und iPad bietet anscheinend das Programm Aji Annotate PDF ähnliche Funktionen, allerdings habe ich nicht ausprobiert, ob die Anmerkungen auch direkt im PDF gespeichert werden, so dass sie bei Weitergabe der Datei verfügbar sind (das Programm kostet 4 Euro).

Für Windows habe ich zwei PDF-Reader mit Kommentarfunktion gefunden. Abgesehen von der Adobe-PDF-Suite, die für den Privatgebrauch viel zu teuer ist, gibt es Foxit PDF (download) und PDF-XChange Viewer. Beide Programme sind kostenlos, besitzen aber erweiterte Versionen, die man sich dazukaufen kann – zum einfachen Anmerken von Dokumenten sollte es auch so reichen. Außerdem gibt es noch PDF Annotator in der 60-Tage Testversion.

Für Linux sah es lange Zeit schlecht aus; neben einer Version des proprietären Foxit Reader, gibt es das Programm Xournal (siehe Bericht). PDF-Dateien können in Xournal allerdings nur als Hintergrundbild geladen, also beispielsweise nicht durchsucht werden, aber die Anmerkungen lassen sich direkt im PDF speichern. Beim Öffnen mit dem Ubuntu-PDF-Viewer Evince sind die Anmerkungen zwar sichtbar, können aber nicht gezielt durchblättert oder ein- und ausgeschaltet werden, weil sie von Xournal nur als normaler Teil des Dokumentes gespeichert werden. In Evince selber wird momentan die Unterstützung für Anmerkungen eingebaut (bzw. ist teilweise schon ab Gnome 2.28 vorhanden), aber die Anmerkungen werden nicht im PDF selber gespeichert. Schade, das ist für mich ein Ausschlußkriterium, mir jetzt schon ein Linux-basiertes Tablet zuzulegen.

Eine passende Webanwendung ist a.nnotate.com. Die PDF-Datei wird hier hochgeladen und kann dann online bearbeitet und mit Anmerkungen heruntergeladen werden. Allerdings sind nur 30 Seiten pro Monat kostenlos.

Und natürlich kann man die PDF-Datei auch ausdrucken, darin herumkritzeln und anschließend ggf. wieder einscannen. Was benutzt ihr um PDF-Dokumente zu kommentieren, z.B. zum Korrekturlesen?

P.S: I summarized some ideas on how to express and exchange annotations in a new project to extract/merge PDF annotation in XFDF format. There is also an overview of existing works on annotation and the “beyond the PDF” projects collects ideas.

P.P.S: Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Möglichkeit, Anmerkungen per elektronischem Stift anzubringen, z.B. mit dem CoScribe Smartpen.

9 Kommentare »

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  1. Benutze den Sony Reader 650. Viele Pdfs lesen sich damit ganz gut, habe allerdings begonnen zwecks besserer Skalierbarkeit oft zu lesende pdfs mittles ABB finereader per OCR in rtf umzuwandeln. Wie dem auch sei, auf dem Reader können Anmerkungen in jedes Dokument gleich welchen Formates reingeschrieben werden. Diese kann man dann auch gesondert per rtf exportieren.

    Kommentar by Martin Lee — 16. Oktober 2010 #

  2. Okular[1], aber taugt nur für den persönlichen Gebraucht bzw. zwischen Okular-Nutzern, da die Annotationen außerhalb des Dokuments gespeichert werden.

    [1] http://okular.kde.org/

    Kommentar by David Maus — 17. Oktober 2010 #

  3. Für Mendeley gibt es einen Feature request, dass die Annotationen mit anderen PDF-Readern kompatibel sein sollen. Bislang (Version 9.8.1) können mit der Software PDF-Dateien angesehen, annotiert und mit Annotation zusammen exportiert werden. Allerdings ist die Bearbeitung der Annotationen noch etwas behäbig und die Annotationen können nicht unabhängig vim PDF gespeichert werden, obgleich sie intern unabhängig vom PDF verarbeitet werden. Die Speicherung außerhalb des Dokumentes hat einige Vorteile (z.B. Gemeinsame Annotierung) und im Besten Fall sollte beides gehen.

    Kommentar by jakob — 3. November 2010 #

  4. Ich habe nochmal etwas recherchiert und hier zusammengefasst. Anscheinend ist (X)FDF ein geeignetes Format, um PDF Annotationen unabhängig von der annotierten PDF-Datei zu speichern, aber ich habe nich keine vollständige Open Source Implementierung gefunden.

    Kommentar by jakob — 4. November 2010 #

  5. Thanks very much for the pointer to http://a.nnotate.com/ This is the first annotation system that I’ve used that didn’t annoy me in the first 2 minutes. I may start using it regularly!

    I’ve tried iAnnotate, one of Aji’s iPad apps. It puts the annotations right into the PDF, and allows you to export the annotations separately. (I can send you an example if you want. If the interface were better I would have bought an iPad to use this software.) Here’s a video review from a colleague:
    http://ryantrauman.com/blog/2010/08/08/pdfs-on-the-ipad/

    I’ve been wondering how annotations were stored so the links to XFDF and marginalia are interesting.

    I tried both ways you suggest to install marginalia; neither one works for me. Both complain about a missing pom.xml (though I see it in the file list on github). I’ve created an issue on github in case you can tell me what I’m doing wrong!

    Kommentar by Jodi Schneider — 13. November 2010 #

  6. Ich habe mir nach einiger Zeit mit PDFXChange und Foxit schlicht und ergreifend Acrobat Standard gekauft. Macht weniger Ärger als die Konkurrenz, wenn man mit dem Original arbeitet. Und ca. 100 EUR (eBay) für ein Tool, das man täglich nutzt, finde ich nicht übertrieben teuer.

    Kommentar by Winne — 22. November 2010 #

  7. [...] der Stadtbibliothek Skokie eingebunden, welches die Funktionsweise des Sony Readers vorstellt, und Jakoblog beschäftigte sich mit Annotationsmöglichkeiten bei [...]

    Pingback by Gelesen in Biblioblogs (41. KW) « Lesewolke — 30. November 2011 #

  8. hallo,
    ich suche einen Annotator, bei dem alle damit aufgebrachten Annotationen als “nachträgliche Modifikationen” der Original-PDF-Datei gekennzeichnet sind (am besten mit Autor und Datum), und diese Kennzeichnung sowohl im Acrobat Reader als auch auf dem Ausdruck nicht zu unterdrücken sind. Kennst jemand ein tool? Danke im Voraus!

    Kommentar by Stefan — 30. Mai 2012 #

  9. Sorry meine deutsch ist zehr schlecht

    Available since June 1st, 2014 on the App store, the brand new okitoo app for iPad is an online service to annotate live PDF and pictures. The app is free with 1 complimentary project so take a look at http://appstore.com/okitoo

    okitoo is also a web based application at https://service.okitoo.fr available in English, German, French, Italiano, Russian, Spanish and Portuguese

    Kommentar by Patrick — 4. Juni 2014 #

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