Übersicht Social-Cataloging-Plattformen

12. Oktober 2009 um 22:39 4 Kommentare

Anknüpfend an die inzwischen schon etwas veraltete Übersicht webbasierter Literaturverwaltung und an die provokante Frage, ob und wie Bibliotheken das Katalogisieren lieber den Nutzern überlassen sollten, habe ich zusammen mit Silvia Czerwinski folgende Übersicht von Social-Cataloging-Plattformen zusammengestellt. Ausgenommen sind an dieser Stelle Dienste zur gemeinsamen (wissenschaftlichen) Literaturverwaltung wie Mendeley, CiteULike, Connotea und BibSonomy sowie webbasierte OpenSource-Software wie WIKINDX und Aigaion.

Die größten Social-Cataloging Plattformen für Bücher sind LibraryThing und GoodReads gefolgt von ähnlichen Dienste wie aNobii (benannt nach dem Bücherwurm Anobium Punctatum) und Shelfari. Im Open Library Project wird ebenfalls gemeinsam katalogisiert, wobei automatische Massenimports den Großteil ausmachen. Daneben gibt es Buch-Communities wie weRead (vor allem verbreitet in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Orkut, MySpace etc.), bookJetty und BookCrossing sowie aus dem deutschsprachigen Raum Quillp und Lovelybooks. Bei diesen Communities handelt es sich jedoch nicht um vollständige Katalogisierungsplattformen, da hier nur persönliche Listen, Bewertungen und Kommentare zu bereits vorhandenen Büchern angelegt werden können. Dafür bietet Quillp die Möglichkeit, eigene Manuskripte hochzuladen und von anderen Lesern bewerten zu lassen. Die Verknüpfung mit Bibliotheken ist vor allem bei LibraryThing und bei bookJetty ausgeprägt.

Die Inhalte des größten und einflussreichsten Filmkatalogs, der Internet Movie Database (IMDb), werden ebenfalls von den Benutzern gesammelt. ImDb ist im Besitz von Amazon.com, das auch Shelfari und über Abebooks eine 40%ige Beteiligung an Librarything hält. Weitere Film-Communities ohne Katalogisierungsmöglichkeit sind u.a. Flixster und Criticker.

Zur gemeinschaftlichen Katalogisierung von Audio-Publikationen (vor allem Musik) gibt es Discogs, MusicBrainz, MusicMoz und freeDB. Im Gegensatz zu reinen Musik-Communities wie Last.fm und Rate Your Music steht nicht die Bewertung, Kommentierung und Gruppierung von Musik im Mittelpunkt, sondern die Erschließung von Künstlern, Gruppen, Stücken, Veröffentlichungen und Herausgebern. Eine Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Deutschen Musikarchiv oder der GEMA findet – abgesehen von der gegenseitigen Verwendung als Quelle – bislang nicht statt.

Herausragend in der Tiefenerschließung sind Social-Cataloging-Plattformen für Spezialbereiche, wie zur Katalogisierung von Comics (Grand Comic-Book Database), Computerspielen (MobyGames) oder Animes und Mangas (MyAnimeList). Hier zeigt sich, dass engagierte Nutzer in Masse einfach unschlagbar sind: ebenso wie Wikipedia dank Tausender von Freiwilligen umfangreicher und detaillierter als jede herkömmliche Enzyklopädie werden konnte, können spezialisierte Social-Cataloging-Plattformen wie LibraryThing, IMdB und die Grand Comic-Book Database ihren Sammlungsgegenstand umfangreicher und tiefer erschließen als es eine überschaubare Zahl von Bibliothekare oder Dokumentare je schaffen – allerdings nur unter der Vorraussetzung, dass eine kritische Masse und eine leistungsfähige und einfach zu bedienende Katalogisierungsoftware vorhanden sind.

4 Kommentare »

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  1. [...] Czerwinski und Jakob Voss haben eine kompakte Übersicht über verschiedene Social-Cataloging-Plattformen zusammen [...]

    Pingback by Übersicht Social-Cataloging-Plattformen » Infobib — 14. Oktober 2009 #

  2. Warum bin ich nur skeptisch, wenn ich das lese? Die Antwort: Im Augenblick halte ich es für dringender, Bestände zu katalogisieren bzw. elektronisch nachzuweisen, die einzigartig sind — und für die gibts, vermutlich, nicht irgendwo eine kritische Masse an Nutzern, die nur darauf gewartet haben, diese tiefenzuerschließen. Aber das bezieht sich natürlich nicht auf Zeug, das schon im WorldCat ist. Und die Empfehlung, von den Erfolgreichen zu lernen, ist natürlich richtig …

    Kommentar by jge — 14. Oktober 2009 #

  3. Die Speksis ist angebracht, solange sie sich mit Neugierde die Waage hält ;-) Was sich aus meiner Sicht von all den Social-Cataloging-Plattformen lernen lässt ist, dass Katalogisieren Spaß machen kann und nicht nur Experten katalogisieren können. Unterm Strich kommt es auf drei Faktoren an: Motivation (Bezahlung, Interesse…), Erfahrung (Ausbildung, Übung…) und die praktischen Möglichkeiten (Zugang zu den zu katalogisierenden Objekten, Qualität der Katalogisierungsswerkzeuge…).

    Kommentar by Jakob — 14. Oktober 2009 #

  4. [...] Übersicht Social-Cataloging-Plattformen « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß (tags: Literaturverwaltung socialnetworking online übersicht jakob_voß jakoblog 10/2009 2009) [...]

    Pingback by links for 2009-10-15 : Bibliothekarisch.de — 15. Oktober 2009 #

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