Tagging von OpenAccess-Artikeln mit Wikipedia

5. August 2010 um 07:38 3 Kommentare

Zur Zeit bekomme ich nur am Rande die tollen Beiträge der Biblioblogosphäre wie Ethik von unten und die Übersicht von Repository-Upload-Formularen mit, da ich intensiv an der Dissertation sitze (siehe meine Literatur). Lamberts Vorschlag Wikipedia zur Sacherschließung von Open Access zu nutzen, möchte ich jedoch nicht unkommentiert lassen.

Die Grundidee ist folgende: Wissenschaftliche Literatur aus Open Access Repositorien lässt sich 1.) direkt verlinken 2.) im Volltext analysieren und 3.) zur automatischen Erzeugung von Literaturangaben verwenden. Dagegen steht, dass die Sacherschließung dürftig ist und Artikel oft sehr speziell sind. Wikipedia ist dagegen ebenso für 1-3 verfügbar und bietet einen guten (manchmal sogar ausgewogenen) Einstiegspunkt in ein Thema – es fehlt jedoch oft an weiterführenden Hinweisen auf aktuelle Literatur. Lambert schlägt nun eine Webanwendung vor, in der Nutzer Wikipedia-Artikel und Open-Access Artikel einander zuordnen können. LibraryThing hat vorgemacht, dass Sacherschließung nicht dröge sein muss, sondern durch spielerische Anreize gute Ergebnisse liefert. Deshalb sollte die Sacherschließung mit Wikipedia auch möglichst einfach als Spiel umgesetzt werden. Die Webanwendung könnte sowohl von einer eigenen Seite als auch als Widget direkt aus Wikipedia und aus OA-Repositorien oder Suchmaschinen benutzt werden und sollte mit möglichst wenigen Klicks (im Idealfall nur ein einziger!) zu bedienen sein. Durch Auswertung der Volltexte können mit herkömmlicher Suchmaschinentechnologie (z.B. Solr oder Maui) von OA-Artikeln bzw. Wikipedia-Artikeln ähnliche Artikel der jeweils anderen Textgattung vorgeschlagen werden. Nutzer können dann die Vorschläge als passend oder als unpassend bewerten.

Ich stelle mir die Bewertung ähnlich wie bei Stackoverlow vor (siehe Screenshot-Ausschnitt rechts). Nutzer können dort Reputations-Punkte für verschiedene Aktionen bekommen (oder verlieren) – siehe Stackoverflow-FAQ. Für das Hinzufügen eines nicht-automatisch vorgeschlagenen Artikels könnte es z.B. mehr Punkte geben als für das Bestätigen eines bereits vorhandenen Artikels, so dass zusätzliche Recherchen belohnt werden. In jedem Fall sollte die Weiterentwicklung der Idee erstmal mit der Benutzeroberfläche beginnen anstatt gleich über technische Möglichkeiten nachzudenken. Eine Übersicht von Webanwendungen für User-Interface Mockups gibt es hier. Papier oder Tafel und Stift reichen aber auch aus. Wichtig ist nur, dass das Design nicht von Fragen wie “wie setze ich das in HTML um?” oder “wo und wie sollen die Daten gespeichert werden?” beschränkt wird.

3 Kommentare »

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

  1. dazu fällt mir http://www.faviki.com/ ein, wo man Bookmarkt mit Wikipedia-Begriffen taggt – ich finde das ziemlich gut.

    Kommentar by librarymistress — 5. August 2010 #

  2. Ja, Faviki zeigt wie das Taggen von Fachartikeln mit Wikipedia-Artikeln funktionieren kann. Durch Vergleiche der Volltexte lassen sich aber auch passende Wikipedia-Artikel zu einem Fachartikel vorschlagen, die vielleicht einen ganz anderen Titel haben als einem einfallen würde. Die Ähnlichkeit von Dokumenten lässt sich ganz einfach im Vektorraum-Modell aufgrund der Termhäufigkeit feststellen. Je ähnlicher die in Artikeln verwendeten Worte sind, desto näher sind die Artikel beieinander.

    Kommentar by jakob — 5. August 2010 #

  3. [...] für Bibliotheken hätte, damit beschäftigt sich der Blog Biblionik.  Die interessante Idee hat Jakoblog aufgegriffen und sich ebenfalls Gedanken dazu [...]

    Pingback by Gelesen in Biblioblogs (31. KW) « Lesewolke's Blog — 9. August 2010 #

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.

Powered by WordPress with Theme based on Pool theme and Silk Icons.
Entries and comments feeds. Valid XHTML and CSS. ^Top^