Wikipedia in den Geisteswissenschaften: Wikisource

10. Oktober 2008 um 16:04 4 Kommentare

Vom 9. bis 12. Oktober nehme ich an der Tagung “Neue Formen wissenschaftlicher Zusammenarbeit durch kollaborative Medien – Wie Wikipedia und andere Wikiprojekte die (Geistes-) Wissenschaften verändern (können)” teil. Die Wikimedia-Veranstaltung wird von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. gefördert und findet auf dem Gut Siggen in Ostholstein statt. In der ersten Diskussionsrunde ging es es um Wikipedia-Schwesterprojekte, vor allem um Wikisource.

Wikisource ist ein editionsphilologisches Projekt freier Quellen und unterscheidet sich damit in einigen Punkten grundsätzlich von Wikipedia. Das Wiki dient als Werkzeug zur kollaborativen Textedition, indem Digitalisate gesammelt, transkribiert und zweifach korrekturgelesen werden. Die Wiki-Seiten werden anschließend für weitere Bearbeitungen gesperrt. Die deutschsprachige Ausgabe von Wikisource unterscheidet sich darin auch von anderen Sprachversionen: ab 2006 wurden gnadenlos alle Texte ohne zugehörige Scans gelöscht und genaue Editionsrichtlinien für Transkriptionen durchgesetzt.

In der Diskussion zu Wikisource kam unter Anderem der Wunsch auf, aus Transkriptionen bei Wikisource wiederum Editionen in Buchform zu erstellen. Leider ist die Erstellung von Druckformaten wie PDF aus MediaWiki grundsätzlich mangelhaft. Bei bisherigen Projekten wie WikiReader und WikiPress war immer viel Handarbeit notwendig. Problematisch ist auch die Trennung der verschiedenen Wikisource-Projekte nach Sprachen. Gerade bei älteren Sprachen ist die Abgrenzung schwierig und zur Edition von Keilschriften müsste theoretisch erst ein Wikisource-Ableger in Babylonisch erstellt werden. Schwierig ist die Trennung nicht nur für Mitarbeiter und Autoren sondern auch für Leser. Ein Punkt dabei ist, dass WikiSource nicht der eine Zugang zu Digitalisate und Editionen ist und sein wird. Im Englischsprachigen Bereich gibt es zumindest umfassende kommerzielle Datenbanken wie Eighteenth Century Collections Online (ECCO) und Early English Books Online (EBBO) während sich in Deutschland Projekte wie das Zentrale Verzeichnis Digitalisierter Drucke (ZVDD) aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten und mangelnder Koordination schwer tun. Vor allem werden dort keine freien Digitalisate und Volltexte geboten. Abhilfe schaffen kann die Einhaltung der Wikimedia-Empfehlungen für Rechte bei Digitalisierungsprojekten und der technischen Vorgaben des DFG-Viewers.

Eine weitere Empfehlung an Wikisource war, dass die maßgeblichen verantwortlichen Bearbeiter der Textedition stärker als Autoren oder als Herausgeber herausgestellt werden sollten. Dies ist sowohl für die Zitierung von Wikisource als Quelle als auch für wissenschaftliche Mitarbeiter von Bedeutung, die ihre Editionsarbeit in Wikisource bislang nicht in ihren Publikationslisten aufführen können. Vielleicht lässt sich sowas ja mit Hilfe der Funktion der geprüften Versionen realisieren. Neben der Autorennennung fehlt oft auch eine Erläuterung der Editionsarbeit (wie und wann ist man zum Digitalisat gekommen, wer hat mitgearbeitet, welche Schwierigkeiten traten auf etc.). Eine Funktion zur einfachen Ermittlung der Autorenschaft an einzelnen Artikeln wäre übrigens auch für Wikipedia von Interesse, denn die Versionsgeschichte ist nicht nur unbekannt sondern auch unübersichtlich.

Zusammengefasst ist Wikisource zur Zeit zwar noch etwas unübersichtlich und weist an verschiedenen Stellen Schwierigkeiten auf, aber es hat den ungeheuren Vorteil, direkt und tatsächlich frei verfügbar zu sein, während man bei vergleichbaren Projekten wie TextGrid vor lauter Arbeitspaketen, Politanwendungen und Fachbeiträten die eigentlichen Inhalte und Arbeiten nicht findet.

Nach der ersten Pause ging es weiter mit einer Fortsetzung der Diskussion um Formen der Autorenschaft in Wikis sowie um Wikibooks, Wikiversity, Wiktionary, Omegawiki etc.

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4 Kommentare »

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  1. Ich bin einer der Mitarbeiter in dem Projekt und wundere mich über ein paar Sachen. Zu einem schade das es erst durch einen Zufallsfund von FrobenChristoph dies im Scriptorium der deutschsprachigen Wikisource bekannt wurde und zum anderen kann ich ein paar der Textpassagen so nicht mittragen.
    - Der Satz ”ab 2006 wurden gnadenlos alle Texte ohne zugehörige Scans gelöscht” stellt das Projekt in einem falschen Licht dar. Primär wir versucht für Texte ohne Scans dieselben zu finden oder über den Verein Wikimedia Deutschland digitalisieren zu lassen. Wenn dann auch noch der Versuch fehlschlägt eine verläßliche Quelle im Netz zu finden und diese zu verlinken dann wird so ein Text – wenn er auch anderswo im Netz ohne Quelle zu haben ist – gelöscht.

    - Der Text in Keilschrift braucht mit Sicherheit nicht auf eine WS in Babylonisch zu warten sondern kann in der mehr (vielsprachigen) WS untergebracht werden.

    - Der Satz die maßgeblichen Bearbeiter herauszustellen nimmt mich wunder. Klar würde ich mich freuen wenn erwähnt würde das ich einen erheblichen Beitrag zu einem Projekt geleistet habe. Aber das Primärziel ist doch eine inhaltlich möglichst genaue Wiedergabe des Originals und genau das trägt keinerlei Schöpfungshöhe in sich. Und Kommentierungen und Ergänzungen sind ja genau wie in der Wikipedia sauber verfolgbar. Ich wüßte auch nicht was in diesem Zusammenhang geprüfte Versionen in irgendeiner Form helfen könnten. Übrigens sind seit 2006 sind bei den Digitalisaten in den allermeisten Fällen auch die Quelle (Sprich Ursprung des Digitalisats) angegeben.

    Und wenn einzelne Stellen noch etwas unübersichtlich sein sollten (was ich nicht im geringsten anzweifele). Jeder mit guten Ideen ist herzlichst eingeladen seine Ideen im Scriptorium (unser Marktplatz und zentraler Kommunikationsort [ http://de.wikisource.org/wiki/Wikisource:Skriptorium ]) einzubringen und uns zu helfen das besser zu machen. Und wenn er dann auch noch bleibt und mithilft freuen wir uns doppelt. — jörgens.mi

    Kommentar by joergens.mi — 10. Oktober 2008 #

  2. Eigentlich schade, das du nicht bereit bist dich in irgendeiner Form zum meinen Kommentaren zu äußern. Aber man weicht nur ungern von seiner eigenen vorgefassten Laienmeinung ab und allzu viel Erfahrung hast du bisher in der Mitarbeit in der WS ja wohl nicht nicht gesammelt. Mit besten Grüßen

    – joergens.mi

    Kommentar by Joergens.mi — 16. Oktober 2008 #

  3. Eigentlich schade, dass sich deine Fragen und die Kommentare im Skriptorium vor allem wie unüberlegte Anschuldigungen lesen. Aber ich erkläre gerne nochmal die Hintergründe meines Blogeintrags:

    Vom 9. bis 12. Oktober 2008 fand eine kleine Tagung von Wissenschaftlern aus den Geisteswissenschaften und Mitarbeitern verschiedener Wikimedia-Projekte statt, um über Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit zu diskutieren. Dabei ging es unter anderem auch um Wikisource. Frank Schulenburg hat das Projekt vorgestellt und gezeigt, dass das deutschsprachige Wikisource sich durchaus mit wissenschaftlichen Texteditionen messen kann. Allerdings ist der Focus nicht völlig klar und es gibt einige Kleinigkeiten, die die Nutzung in Fachkreisen erschweren, wie zum Beispiel die für Außenstehende intransparenten Verantwortlichkeiten.

    In unseren abschließenden Empfehlungen, die in wenigen Tagen ausformuliert vorliegen werden, wollen wir anregen, ein internationales Treffen zu Wikisource zu veranstalten. Sowohl können die anderen Sprachversionen etwas von der guten Arbeit im deutschsprachigen Wikisource lernen, als auch könnten konkretere Schritte zur weiteren Professionalisierung geplant werden.

    Genauere Planungen gibt es allerdings noch nicht. Ich würde mich freuen, wenn der Diskurs über die weitere Entwicklung der Wikisource-Projekte und ihre Nutzung im akademischen Bereich in der Community auf sachlicher Ebene weitergeführt wird!

    Kommentar by jakob — 16. Oktober 2008 #

  4. Entschuldigung dafür, das wir uns in der Qualität deinem Niveau genähert haben. Meine Kommentare hier sind wohl eindeutig auf hinreichend sachlichem Niveau gelegen und haben sachlich falsche Darstellungen deinerseits richtig stellen sollen. Das deine Art in der Community nicht auf allzuviel Gegenliebe stößt wundert mich nicht. Bevor man irgendwelche Behauptungen in den Raum stellt sollte man sich erst einmal mit den Tatsachen vertraut machen. Gottseidank war Frank Schulenberg dabei und hat dann sicher für einen qualitativ hochwertigen Ausgleich gesorgt.

    Es kommen aber jetzt auch schon wieder Fragen auf was soll Wikisource für einen Focus haben? wieso soll es in einme Wiki-Projekt Verantwortliche geben. In einem Wiki legt die Community den Focus fest und der kann auch wechseln. Und welches Wiki hat Verantwortliche? Und nur für eigenerstellte Texte kann man eigentlich Verantwortung übernehmen und die sind in der Ws ja wohl mehr als deutlich in der Minderzahl.

    Kommentar by joergens.mi — 17. Oktober 2008 #

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