Semantic Web aus Bibliothekssicht

14. Oktober 2007 um 23:00 2 Kommentare

Ben weist im IB-Weblog auf einen Beitrag von Allen Cho hin, der Web 3.0-Librarian-Weblog von hin, der mit Dean Giustini den Artikel The Semantic Web as a Large, Searchable Catalogue: A Librarian’s Perspective verfasst hat. Abgesehen davon, dass sie aus meiner Sicht mit einigem Durcheinander und Fehlurteilen ahnen lassen, dass über das Semantic Web ebenso viel Übertreibungen und Unsinn verbreitet werden wird, wie über Web 2.0, enthält der Artikel trotz Übertreibungen eine richtige Kernaussagen: Dokumentarische Erschließung und Semantic Web haben viele Gemeinsamkeiten. Oder wie die Autoren schreiben:

The Resource Description Framework (RDF), a method of connecting URIs in a meaningful way, is the key to making the Semantic Web possible. Making connections among and between documents and ideas is something librarians do for a living.

Nur: wieviele Bibliothekare haben sich wenigstens mal mit RDF auseinandergesetzt und zumindest die wichtigsten Eigenschaften (URIs, Unicode, Triples) verstanden? Wenn man daran denkt, welch Schattendasein FRBR nach über einem Dutzend Jahren noch immer fristet und wie noch immer eher diskutiert statt ausprobiert wird, kann man schon stark daran zweifeln, ob an der folgenden Prognose etwas dran ist:

Many of the same techniques of bibliographic control apply to the possibilities of the Semantic Web. It was the computer scientists and computer engineers who had created Web 1.0 and 2.0, but it will ultimately be individuals from library science and information science who will play a prominent role in the evolution of organizing the messiness into a coherent whole for users.

Zumindest mit “individuals from library science and information science” haben Sie recht.

2 Kommentare »

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  1. Vielen Dank für diesen Beitrag Jakob. Ich werde wahrscheinlich darüber meine Diplomarbeit schreiben und gehe gerade Artikel zu FRBR durch. Diese liegen aber alle insgesamt ein paar Jahre zurück.
    Ist jetzt alles gesagt?
    Dann gibt es ein paar Pilotprojekte, die funktionieren. Schön, schön! Aber wir wursteln lieber an unseren alten Systemen rum.
    Woran liegt es denn nun, dass so etwas im Sande verläuft? Keine Lust auf etwas neues? Kosten? Firmenpolitik? Fehlende Akzeptanz? Zu kompliziert?

    Vielleicht sollten wir erst einmal mit Mikroformaten anfangen. Und dann Schritt für Schritt.

    Kommentar by carsten — 17. Oktober 2007 #

  2. Natürlich gibt es mehrere Gründe, aber nach meiner bescheidenen Erfahrung ist ein großes Hinternis im gesamten Bibliothekswesen, dass zu viele praxisferne Theorie betrieben wird, die an den tatsächlichen Bedürfnissen und der realistischen Machbarkeit vorbei geht. Anstatt einfach mal auszuprobieren und selber etwas umzusetzen, bastelt jeder an seinen Hirngespinsten, wie “man es machen sollte” – die mit der Umsetzung und Sicherstellung sollen sich dann andere befassen. Da ist es kein Wunder, dass andere (nicht Bibliothekare) die Entwicklung vorantreiben. Ohne Kenntnisse der aktuellen Entwicklungen (XML, RDF, Mikroformate, Webservices wie ATOM und unAPI etc.) bleibt aber jede Überlegung mit Metadatenformaten Stümperei, so sieht es leider aus.

    Bezüglich Semantic Web halte ich Mikroformate auch für einen realistischeren Weg als direkt RDF zu nutzen – Hauptsache aber die Daten kommen überhaupt mal aus den Silos!

    Kommentar by jakob — 18. Oktober 2007 #

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