Open Library Project: Wikipedia der Kataloge

23. Juli 2007 um 14:35 3 Kommentare

Ein freies Projekt zur Katalogisierung aller jemals erschienenen Publikationen war ja abzusehen, aber dass es so schnell geht, hat mich doch überrascht. Das letzten Montag bekanntgegebene Open Library Project ist eine vom Internet Archive unterstütze Initiative, nach dem Wikipedia-Prinzip einen frei editierbaren Katalog zu schaffen. Die Software ist Open Source, kann also auch lokal installiert werden. Als Suchmaschine wird anscheinen Lucene-Solr verwendet. Einen Überblick gibt es eine Guided Tour und die System-Dokumentation.

Wenn man sich die Beteiligten und weitere Personen auf den Mailinglisten zum Projekt (Ol-lib, Ol-discuss, Ol-tech) ansieht, so sieht das Projekt sehr vielversprechend aus. Geleitet wird das Projekt von Aaron Swartz, und Tim Spaling (LibraryThing) ist dem Projekt auch wohlgesonnen.

Verwandte Projekte zur gemeinsamen Katalogisierung sind LibraryThing sowie Social Bookmarking-Dienste wie CiteULike, Connotea und BibSonomy und von Content-Seite Project Gutenberg sowie das weniger freie Google Books. Als größten Partner oder Konkurrenten – je nachdem aus welcher Richtung betrachtet – sehe ich allerdings WorldCat. Die aus der Wikipedia-Community hervorgebrachten Ansätze finde ich nicht so relevant, wenngleich Wikipedia natürlich eingebunden werden sollte.

Wie schon LibraryThing ist das Open Library Project bislang ausschließlich Englisch und nicht für Mehrsprachigkeit konzipiert (auch bei LibraryThing ist nur Oberfläche mehrsprachig, während die Tagging-Daten und Texte einsprachig sind). Wenn sich das Open Library Project ein Beispiel an Wikipedia nehmen will, sollten sprachabhängige Bestandteile besser in eigene Komponenten ausgelagert werden.

Und was bedeutet das ganze für die Bibliotheken?: In spätestens 5 Jahren werden alle wesentlichen Katalogdaten frei sein, zu einem wesentlichen Teil nicht mehr ausschließlich von Bibliothekaren erstellt werden und verschiedene Anbieter werden Suchfunktionen über diese Daten bereitstellen. Auf diesen Wandel sollte sich das Bibliothekswesen einstellen.

3 Kommentare »

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  1. Es wäre doch sehr nett, wenn die mit Steuergeldern und Gebühren finanzierten Sacherschließungsdaten grundsätzlich frei verfügbar wären — ohne in eine ggf. antiquarisch anmutende Suchoberfläche eingesperrt zu sein? Muss Open Access nicht konsequenterweise auch heißen, Katalogdaten frei verfügbar zu machen? Spannende Frage, und es ist zu erwarten, dass niemand großartig Lust hat, sie auf höherer Ebene auch mal zu stellen…

    Das “reine” Wikiprinzip á la “jeder darf” ist vielleicht auch nicht der Weisheit letzter Schluß. Erschließungsdaten jedweder Provenienz einfach unter einer Suchoberfläche — das lädt ja wahrlich zum SEO ein… Aber signiert vom jeweiligen Ersteller und kombiniert mit einer Datenbank für selbige — da wäre einiges machbar.

    Kommentar by Hans-Werner — 23. Juli 2007 #

  2. Die frei verfügbaren Wikipedia-Daten werden ja auch für schon für SEO genutzt – wennn alles vollgespammt wird, nimmt dafür wieder die Bedeutung von vertrauensvollen Einrichtungen zu und da können Bibliotheken punkten. Dass die Sacherschließungsdaten grundsätzlich frei sein sollten und auch frei werden, davon gehe ich aus. Aber ein wenig Vorsprung gebe ich den Bibliotheken gerne noch – es geht schon schnell genug und es sollen soweit möglich die Bibliothekare auch mitgenommen anstatt abgehängt werden. Dass heisst eine Menge Überzeugungsarbeit, Fortbildung und Bretter bohren, aber ich sehe das positiv.

    Kommentar by jakob — 23. Juli 2007 #

  3. Mehr zum Datenformat der Open Library gibt es in einem Posting von Frédérick Giasson, der versucht hat, die Daten in RDF umzuwandeln, wobei der die “Bibliography Ontology” verwendet, von der ich noch zu berichten habe.

    Kommentar by jakob — 9. November 2007 #

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